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Jenseits von Windstärke 12

Großventilator im Bovender Tunnel Jenseits von Windstärke 12

Nach einer Testphase am Wochenende ist am Montagmorgen im B3-Tunnel unter Bovenden ein riesiger Ventilator in Betrieb genommen worden. Nur mit der Unterstützung eines solchen Geräts kann die neue Straßendecke im Tunnel aufgebracht werden.

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Quelle: Kracht

Bovenden. Das Problem: Weil sich die Luft in dem Tunnel kaum bewegt, reichern sich die Abgase der im Tunnel eingesetzten Baugeräte an – ein schwerer Lastwagen, zwei Straßenwalzen und vor allem die Straßenbelagmaschine produzieren jede Menge davon. Gefährlich, erklärt Bauleiter Hans-Peter Reuter von der Ingenieurberatung W. Gries. Besonders gefährlich: das Gas Kohlenmonoxid, das bereits bei einem Atemluftanteil von etwa 0,5 Volumenprozent tödlich wirkt. Weil farb-, geruch- und geschmacklos, ist es kaum zu bemerken. „Wer das einatmet“, sagt Bauleiter Reuter, „fällt um ohne Vorwarnung.“

Bei der derzeitigen Witterung regt sich im Tunnel stundenlang kaum ein Lüftchen. Weil der Tunnel zudem topfeben liegt und keine Steigung ausweist, gibt es auch keinen Kamineffekt, erläutert Reuter. Auch die Ausrichtung des Tunnels ziemlich genau in Nord-Südrichtung trägt bei den hier vorherrschenden Windrichtungen kaum zu einem Luftaustausch bei.

Daher stiegen die Kohlenmonoxid-Werte bei den Arbeiten im Tunnel in der vergangenen Woche deutlich an. Die Folge: die Entscheidung in der vergangenen Woche, einen Großventilator zu besorgen, um die Abgase per Druckbelüftung aus dem Tunnel zu vertreiben.

Doch das war gar nicht so einfach, erläutert Bauleiter Reuter, schließlich stünden solche Spezial-Belüfter ja nicht überall herum. Schließlich wurde die mit der Sanierung des Tunnels beauftragte Baufirma Eurovia in der Schweiz fündig: Dort stand ein Großlüfter, Modell Fanergy XL 63, einsatzbereit zum Abholen. Die Leistung des Riesenventilators reicht aus: Bei einem Durchmesser von 1,6 Metern produziert er 213000 Kubikmeter Luft pro Stunde. Dabei werden Windgeschwindigkeiten von bis zu 133 Stundenkilometern erreicht - jenseits von Windstärke 12. Angetrieben wird das drei Tonnen schwere Gerät von einem Dieselmotor mit einer Leistung von 125 PS.

Doch mit der Ortung des Belüfters in der Schweiz waren die Schwierigkeiten noch nicht beendet. Die Windmaschine blieb an der Grenze zu Deutschland hängen: Die Schweiz ist kein Mitglied der Europäischen Union, folglich gestaltet sich die Abwicklung des grenzüberschreitenden Transports schwierig. Immerhin schaffte es die Baufirma Eurovia, den normalerweise etwa zwei Wochen dauernden bürokratischen Prozess auf vier Tage zu komprimieren. Doch als nach intensiven Bemühungen alle Zollpapiere zusammen waren, wurde der Transport an der Grenze ohne jegliche einfach durchgewinkt, amüsiert sich Bauleiter Reuter.

Nachdem der Ventilator am Freitag eingetroffen und am Wochenende erprobt worden war, begannen die nunmehr belüfteten Arbeiten zur Erneuerung des Straßenbelags am Montagmorgen. Im Verlauf des Tages wurde eine Binderschicht aufgetragen, am Dienstag folgt die neue Deckschicht, die deutlich heller ist als die bisherige. Das, meint Bauleiter Reuter, verbessert die Helligkeit und damit die Sicherheit im Tunnel. Eingesetzt wird das gleiche Material, das bereits im Heidkopftunnel Verwendung gefunden hat.

Die neue Deckschicht soll am Dienstagabend fertig aufgetragen sein. Dann, sagt Reuter, seien nur noch Restarbeiten notwendig, die ohne schweres Baugerät und ohne Großlüfter auskommen. Wieder freigegeben werden der Tunnel und damit die letzten Meter der frisch sanierten B3 spätestens am Montag, 24. Juli, sagt die Straßenbaubehörde in Bad Gandersheim. Bis dahin bleibt die eingerichtete Verkehrsumleitung bestehen. Insgesamt kostet die Sanierung der B3 bei Bovenden 1,7 Millionen Euro.

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Von Redakteur Matthias Heinzel

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