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Mitfahrgelegenheiten per Whatsapp

40 Bürger bei Projekt in Bühren dabei Mitfahrgelegenheiten per Whatsapp

Vor allem Jugendliche klagen über Bührens schlechte Busanbindungen an Dransfeld, Göttingen und Hann. Münden. Um Abhilfe zu schaffen, organisiert Werner Tulowitzki eine Mitfahrbörse. 40 Bürger aus dem 600-Einwohner-Ort haben sich bisher bei der Whatsapp-Gruppe registriert.

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Quelle: Wenzel

Bühren. „Wir bekommen im Schnitt acht Anfragen pro Woche“, berichtet Tulowitzki, der zum Redaktionsteam der Internetseite buehren.de gehört. Die jungen Menschen wollten zum Sport oder ins Kino. Busse führen selten und bräuchten aufgrund der vielen Haltestellen lange. Auch Erwachsene fragten an. Manche müssten zu einer ärztlichen Untersuchung und dürften danach nicht Auto fahren. Andere verreisten mit der Bahn und wüssten nicht, wo sie ihren Wagen abstellen können.

„Wen wir mit diesem Angebot noch nicht erreichen, sind viele Senioren im Ort“, bedauert Ortsbürgermeister Christoph Witzke. Auch bei den älteren Menschen gebe es Bedarf, etwa wenn Arztbesuche oder größere Einkäufe anstünden. Über einen Laden verfüge der Ort nicht mehr, aber ein rollender Supermarkt und eine Bäckerei führen das Dorf an.

„2008 gab es schon einmal den Versuch, Mitfahrgelegenheiten zu vermitteln“, erinnert sich Tulowitzki. Marli Kießling sei damals die treibende Kraft gewesen. Gemeinsam hätten sie im Ort herumgefragt, wer welche Strecken regelmäßig wann fahre. Eine Liste mit 20 Namen sei damals entstanden und auf buehren.de einzusehen gewesen. Bei Bedarf hätten Bürger die Fahrer angerufen.

„Die Liste wurde nicht aktualisiert“, erzählt Georg Hoffmann. Er machte damals mit und nahm auf dem Weg zur Arbeit wiederholt Bührener mit nach Göttingen. Mit den Jahren zogen Fahrer aus Bühren fort, darunter auch Kießling. Andere gingen in den Ruhestand. „2014 haben wir die mittlerweile völlig veraltete Liste aus dem Netz genommen“, sagt Tulowitzki. Mit der Whatsapp-Gruppe haben sie nun einen neuen Versuch gestartet.

„Ich habe mir ein Smartphone gekauft, um auch mitmachen zu können“, berichtet Hoffmann. Er ist mittlerweile Rentner und würde sich manchmal gerne fahren lassen, wenn seine Frau das Auto braucht.

Ähnliche Aktionen im Landkreis hatten unterschiedlichem Erfolg. „Eine große Hemmschwelle bei alternativen Mobilitätsideen ist das Gefühl, niemandem zur Last fallen zu wollen oder keinem etwas schuldig zu bleiben“, sagt Regina Meyer, die Demografiebeauftragte des Landkreises Göttingen mit Blick auf gescheiterte Projekte.

So lief in Jühnde 2016 ein anfangs mit öffentlichen Mitteln gefördertes E-Car-Sharing aus. „Die Nachfrage war zu gering. Es hat sich nicht rentiert“, berichtet Gerd Pfaffenholz, einer der Ansprechpartner. 3,50 Euro pro Stunde habe ein Wagen gekostet. Die Buchung sei über das Internet erfolgt. Der Nutzer habe einen Zahlencode erhalten, um den Autoschlüssel aus einem Fach zu holen. Die meisten Familien im Ort verfügten jedoch über zwei Autos.

„Wir haben in Diemarden vor ein paar Jahren einmal die Aktion Kennzeichen D gestartet“, erinnert sich Jörg Schneider. Autofahrer hätten sich ein D an die Windschutzscheibe geheftet. „Wer eine Mitfahrgelegenheit suchte, sollte einenen Zettel mit einem D hochhalten“, erklärt er die Idee. Das sei kaum auf Resonanz gestoßen.

Ein Erfolg ist dagegen der Einkaufsbus, den der Seniorenbeirat in Staufenberg seit eineinhalb Jahren organisiert, berichtet Hugo Witt, der dem Beirat vorsitzt. Die Gemeinde, der Arbeitersamariterbund und das Deutsche Rote Kreuz stellten die Kleinbusse. Ehrenamtliche Fahrer steuerten alle Ortsteile an und brächten jeweils bis zu acht ältere Menschen zum Supermarkt nach Landwehrhagen oder nach Uschlag. Dort bekämen sie kostenlos einen Kaffee serviert. Mittlerweile müssten die Busse zum Teil zweimal fahren, um alle mitzubekommen.

Warten auf den Prüfauftrag

Für fünf Euro durch den gesamten Landkreis: Umsetzung von Reuters Wahlversprechen hat noch nicht begonnen

Göttingen. Für fünf Euro, so hat es Göttingens Landrat Bernhard Reuter (SPD) im Wahlkampf des vergangenen Jahres versprochen, sollen zukünftig Bürger mit öffentlichen Verkehrsmitteln von jedem beliebigen Punkt des Landkreises zu jedem beliebigen anderen Punkt im Kreisgebiet fahren können. Wie kommt dieser Plan voran?

Nur schleppend. Konkrete Schritte gebe es noch nicht, erklären die Kreisverwaltung und der für die Umsetzung eines solchen Projektes zuständige Zweckverband Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (ZVSN). Offiziell liege noch kein Auftrag dafür vor, erklärt Michael Frömming, seit Jahresbeginn Chef des ZVSN. Einen solchen „muss die Verbandsversammlung an uns herantragen“, sagt Frömming. Das aber sei noch nicht geschehen.

In der Verbandsversammlung sitzen Vertreter der Landkreise Göttingen und Northeim. Das Fünf-Euro-Projekt muss also von der Politik angeschoben werden. Göttingens Landrat Reuter habe bereits eine Idee, wie das ganze finanziell zumindest angeschoben werden könne, erklärt Landkreis-Sprecher Ulrich Lottmann. Ab diesem Jahr werde das Land Niedersachsen ÖPNV-Zuschüsse nicht mehr an die Verkehrsunternehmen leiten, sondern an die Kommunen. „Damit“, sagt Lottmann, „haben wir auch mehr Steuerungsmöglichkeiten“ - zum Beispiel, mit dem Geld gezielt das Fünf-Euro-Projekt anzugehen. Lottmann: „Die Grundidee ist: Preissenkung, dadurch höhere Nachfrage und dadurch mehr Geld ins System.“ Dazu sei eine Tarifreform notwendig, die der ZVSN erarbeiten müsse.

Nach einem entsprechenden Auftrag der Verbandsversammlung, sagt ZVSN-Chef Frömming, werde sein Verband „wohlwollend“ prüfen, welche Schritte möglich oder nötig sind „und was finanziell leistbar ist“. Allein ins Blaue hinein Optionen zu durchleuchten, sei wenig sinnvoll. Allerdings sei „alles, was an guten Ideen für mehr Fahrgäste hereinkommt, hochwillkommen“. Frömming: „Wenn der Auftrag vorliegt, fangen wir an.“

Von Matthias Heinzel

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