Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Brauchen Sommerweiden Wetterschutz?

Reiterhof-Betreiber und Veterinäramt streiten über artgerechte Pferdehaltung Brauchen Sommerweiden Wetterschutz?

Die Pferdehaltung sei "vorbildlich", sagt der Anwalt. Eine Tierärztin hat nichts zu beklagen und stellt ihr eigenes Pferd hier ein. Dennoch ist Thomas Obermann, Inhaber eines Pferdehofes, mit dem Veterinäramt aneinander geraten. Es geht um Wetterschutz und Wasser. Erst eine Einigung vor Gericht schafft Frieden.

Voriger Artikel
Momente der Sonne
Nächster Artikel
Drogen getankt

 Schatten für Tiere: Hier von links Achim Hübner vom Bauernverband, Rechtsanwalt Henning Eulert und Betriebsinhaber Thomas Obermann

Quelle: Harald Wenzel

Bördel. Vier eigene Reitpferde, dazu 21 Pensionspferde in den Ställen an der Reithalle. Pferdehalter stellen ihre Vierbeiner offenbar gern in Bördel ein. Der Hof wirbt mit einer Sommerweide. Bis zu elf Koppeln gibt es. Auf vier der großen Weiden stehen aktuell die Pferde in Gruppen und werden nach Überzeugung von Hofherr und Pferdebesitzern artgerecht gehalten.

Dennoch hat der Landkreis Göttingen, genauer das Veterinäramt, dem Inhaber verordnet, einen festen Wetterschutz für die Pferde zu bauen und ihnen rund um die Uhr Wasser zur Verfügung zu stellen. Bei Kontrollen war bemerkt worden, dass Wetterschutz einzig die Bäume am Rande der Weiden bieten und in einem Fall eine Ponygruppe zweieinhalb Stunden ohne Wasser gewesen sei. Mit der Verfügung wurde gleich ein Zwangsgeld angedroht - das sich als ohnehin rechtswidrig herausstellt, bemerkt die Richterin bei der Vor-Ort-Verhandlung des Verwaltungsgerichtes auf Hof und Weiden.

Der Inhaber hat gegen die Anordnung geklagt. Er argumentiert so: Die Weiden sind Sommerweiden. Die Pferde werden hier von 10. Mai bis Mitte Oktober tagsüber in Gruppen gehalten. Die Eigentümer kämen täglich, ritten, putzten und versorgten ihre Pferde, können sie natürlich auch immer wieder in den Stall stellen. Die Tiere aber seien lieber in der Gruppe auf der Weide. Ein wetterfester Unterstand sei doch nur dann nötig, wenn die Pferde dauerhaft auf der Weide blieben. Das sei nicht der Fall. Natürlichen Schutz, überhängende Bäume, gebe es genug. Außerdem sei ein Zelt mit Plane aufgebaut worden, das Wind und Regen zu 90 Prozent aufhalte. In freier Natur unter Bäumen werde ein Pferd bei anhaltendem Regen ja auch nass. Artgerecht eben.

Und natürlich sorge man dafür, dass die Tiere dreimal täglich bis zur Sättigung saufen können. Wenn das Amt es ernst meine, dass rund um die Uhr zu jeder Zeit Wasser zur Verfügung stehen müsse, dürfe kein Pferd mehr geritten oder zu Turnieren transportiert werden. Auch die Landwirtschaftskammer sieht diese Position mit Sorge. Die meisten Pferdehaltungen wären dann illegal.

Der Landkreis aber verweist auf Tierschutz-Richtlinien, in denen es heißt, Wasser müsse Pferden "grundsätzlich ständig" zur Verfügung stehen. Obwohl der Anwalt des Klägers von "sachfremden Erwägungen und Willkür" der Behörde spricht und glaubt, dass sich hier ein Behördenmitarbeiter an einem Halter "exemplarisch festgebissen" habe, gelingt es Richterin Esther-Maria Worthmann doch noch, die Wogen zu glätten. Ein Vergleichsvorschlag liegt auf dem Tisch: In der Wasserfrage verpflichtet sich der Hofinhaber, für "ständige Wasserversorgung" zu sorgen. Als Witterungsschutz soll er sein Zeltdach mit einer wasserdichten Zusatzplane versehen - wofür er vom Landkreis dann aber eine baurechtliche Erlaubnis haben müsste. Um die, so schreibt die Richterin in der Einigung fest, sollen sich beide Seiten bemühen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Von Redakteur Jürgen Gückel

Gänseliesel-Wahl