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"Freundeskreis" trifft sich zu Demo

Gegendemonstration in Dransfeld mit 400 Teilnehmern "Freundeskreis" trifft sich zu Demo

Rund 60 Anhänger des so genannten rechten "Freundeskreises Thüringen/Niedersachsen" haben sich am Sonnabend in Dransfeld zu einem Demonstrationszug durch den Ort getroffen. Unter den Teilnehmern befanden sich unter anderem bekannte Neonazis und NPD-Mitglieder aus Northeim, Einbeck, Erfurt und dem Eichsfeld.

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Die "Freundeskreis"Demonstranten trafen auf viele Gegner. 

Quelle: CH

Dransfeld. Hinter Transparenten des "Freundeskreises" und der "Kameradschaft Northeim" zogen sie von der Grundschule die Hoher-Hagen-Straße hinunter. Weit kamen sie nicht, linke Gegendemonstranten blockierten auf Höhe Bördeler Weg den Weg.

Dort, unweit des Treffpunkts der angeblichen Deutschland-Freunde, hatten sich rund 60 Menschen versammelt. Vorwiegend Göttinger Linke waren dem Aufruf des Göttinger Ratsherren Patrick Humke (Antifaschistische Linke Göttingen) gefolgt. Auch Vertreter der Gruppe "Bürger beobachten Polizei und Justiz" waren anwesend. Gegen 15.30 Uhr begannen die antifaschistischen Sprechchöre der Gegendemonstranten. Die Polizei musste jedoch nicht eingreifen. Der Weg zu den Rechten war abgeriegelt, die Protestaktion der Göttinger Linken verlief friedlich. Gegen 15 Uhr musste die Polizei einzig zwei Personen von der Straße holen, die einer Aufforderung nicht gefolgt waren.

Nach einer Änderung der Streckenführung für die Demo durch die Polizei hatte der "Freundeskreis" seine Aktion abgebrochen und kehrte zu seinen Autos.  Um 16 Uhr rückten dann auch die linken Demonstranten wieder ab.

Die Polizei war nach eigenen Angaben mit mehreren Hundert Beamten in Dransfeld vor Ort. Beamte der Bereitschaftspolizei aus Göttingen, Braunschweig und Hannover waren im Einsatz. Ein Aufeinandertreffen von Gegendemonstranten und "Freundeskreis"-Teilnehmern sollte so verhindert werden.

Gegen 16.40 Uhr meldete die Polizei, dass sich die Teilnehmer des Treffens des Freundeskreises, die in Polizeibegleitung eigentlich nach Hause fahren sollten, spontan auf einem Parkplatz auf dem Kaufpark-Gelände in Grone getroffen haben. Sie versuchten offenbar, dort ihre Kundgebung fortzusetzen, die sie zuvor in Dransfeld abgebrochen hatten. Ein Verantwortlicher des Kaufparks gestattete den Aufmarsch aber nicht.

 

Nach kurzem Aufenthalt auf dem Kaufpark-Gelände bot die Polizei dem Freundeskreis an, ihre Kundgebung im Groner Industriegebiet fortzusetzen. Dort gegen 17.05 Uhr angekommen, lehnten die Teilnehmer einen Aufzug vor einer dortigen Fleischfabrik aber ab. Schließlich setzten sie, begleitet von der Polizei, verfolgt von einer Handvoll linker Gegendemonstranten, ihre Fahrt nach Adelebsen fort.

 

Demo in Dransfeld mit 400 Teilnehmern

An der Kirche bereitete sich zeitgleich zum "Freundeskreis" eine Gegendemonstration mit Kundgebung und Menschenkette vor. "Sieht gar nicht wie Demo aus", rief eine Demonstrantin. Tatsächlich verteilte sich sehr, was sich unter mannschaftsstarker Polizeibegleitung in Dransfeld formierte.

 

Rund 400 Menschen hatten sich bei Kaffee und Kuchen im Ortszentrum vor der Kirche versammelt. Sie bildeten später eine Menschenkette und machten damit deutlich, dass Rechtsgesinnte wie der "Freundeskreis" in Dransfeld nicht gern gesehen sind. Ausgesprochen friedlich, ja harmonisch ging es hier zu.

 

Dransfelds Samtgemeindebürgermeister Mathias Eilers (SPD) wertete die Gegendemo als "starkes Zeichen" gegen Intoleranz und Rassismus. Dem "Freundeskreis" sei die rote Karte gezeigt worden, und das sei "gut so".

 

Beiträge der Basisdemokratischen Linke (BL) und des Göttinger Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) analysierten die Strukturen und Inhalte des "Freundeskreises" und suchten Verständnis für das gewählte Mittel der Blockade gegen den "Freundeskreis". "Entgegen verbreiteter Annahmen zeichnen Blockaden sich nicht durch Illegalität oder eskalierende Gewalt aus", sagte ein Asta-Sprecher. Sie seien ein "Akt zivilen Ungehorsams, ein kollektives und Konsequentes Aufstehen - oder Hinsetzen - gegen Neonazis und Rassismus", mit dem Ziel, dem "Freundeskreis" eine "unmissverständliche und nachhaltige Abfuhr" zu erteilen.

 

Spätestens seit der Ankündigung des Freundeskreises, bei den Kommunalwahlen auf Wallisten der NPD anzutreten, so eine Sprecherin der BL, sei klar: "Der ,Freundeskreis' ist nichts weiter als eine neonazistische Splittergruppe." Bei seinen Kundgebungen versammelten sich "nur noch altbekannte Gesichter der neonazistischen Szene", Mitglieder des "Freundeskreises" marschierten auf Neonazi-Demonstrationen, wie etwa beim "Tag der deutschen Zukunft" vergangenes Wochenende in Dortmund.

 

"Freundeskreis" setzt Demo in Adelebsen fort

In Adelebsen formierte der "Freundeskreis" ab 17.30 Uhr einen weiteren Demonstrationszug, der auch an der Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Albert-Schweitzer-Straße vorbei führte. Dort gab es wie an vier weiteren Orten, unter anderem von dem ehemaligen Herzberger NPD-Ratsherren Marco Borrmann, einen kurzen Redebeitrag

 

In seiner Abschlussrede warnte "Freundeskreis"-Sprecher Jens Wilke vor einer weiteren Einwanderung von Flüchtlingen nach Deutschland. Dadurch würde eine "Mischrasse" entstehen. Wilke fürchtet dadurch den Untergang einer "1000-jährigem Kultur". Der "Freundeskreis" werde weitermachen, bis "Deutschland wieder Deutschland" ist.

 

Gegen den "Freundeskreis"-Aufzug kam es zu spontanen und lautstarken Protesten von Adelebser Anwohnern und angereisten linken Demonstranten. Mit Pfeifen, Töpfen und Pfannen, Sprechchören und lautem Hip-Hop aus den Fenstern übertönten sie den "Freundeskreis". Wegen Körperverletzung und Beleidigung erstattete ein Gegendemonstrant Anzeige gegen einen Demo-Teilnehmer. Er berichtete vor allem zu Beginn der Demo von einer "aggressiven Stimmung" innerhalb der rechten Demonstranten.

 

Die Antifaschistische Linke International, Vertreter des Bündnisses „Vielfalt statt Einfalt Adelebsen“ und Ortsbürgermeister Kurt Prutschke (SPD) kritisierten später die Polizeiführung für die zugelassene Route des Demozuges. Nach einer Stunde verließen die Anhänger des "Freundeskreises" Adelebsen wieder.

Von Jürgen Gückel und Michael Brakemeier

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