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In die Zeit der Reformation zurückversetzt

500 Jahre Reformation In die Zeit der Reformation zurückversetzt

Im Rahmen des Jubiläumsjahrs der Reformation wurde am Sonntag der Gottesdienst in Varmissen so gefeiert, wie ihn Martin Luther vor rund 500 Jahren vorgab. Dabei wurde vor allem viel gesungen und es gab belehrende Worte.

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Gottesdienst wie vor 500 Jahren in Varmissen mit Pastorin Almuth Wiesenfeldt.

Quelle: Marks

Dransfeld. Am 31.Oktober 1517 veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen. Der Thesenanschlag in Wittenberg gilt als Beginn der Reformation. 500 Jahre später sind anlässlich de Jubiläumsjahres der Reformation viele Fragen offen. „War alles früher besser ?“, fragte sich zum Beispiel die Dransfelder Pastorin Almuth Wiesenfeldt und entschloss sich zusammen mit der Gemeinde für ein praktisches Experiment.

„Wir wollten einen Gottesdienst feiern wie vor 500 Jahren“, erklärt Wiesenfeldt. Herauszufinden wie dieser zu Zeiten Martin Luthers ablief, sei nicht ganz einfach gewesen. Schon bald nach dem ersten Auftreten des Reformators suchten Geistliche, die der Reformation nahestanden, nach neuen Gottesdienstformen. Die Deutsche Messe, eine Neuordnung des Gottesdiensts, wurde von Luther 1526 herausgegeben. Luther schuf dabei für den gottesdienstlichen beziehungsweise den liturgischen Gesang neue und eigene Melodien, die für die liturgische Leitung durchaus anspruchsvoll zu singen ist.

Almuth Wiesenfeldt, die diese Melodien für den Gottesdienst am vergangenen Sonntag eigens einstudiert hatte, trug dabei eine katholische Albe, die trotz Reformation damals noch bei vielen Gottesdiensten getragen wurde. „Luther war es im Grunde egal, was die Pfarrer trugen, Theologie war ihm wichtiger“, erklärt Wiesenfeldt dazu. Unterstützt bei den liturgischen Gesängen wurde die Pastorin im Wechsel von der Kirchenkreiskantorin Gabriele Renneberg, die ebenfalls die Orgel spielte. Das Kapellengebäude in Varmissen bot für diese mittelalterlichen Zeitreise einen passenden Rahmen. Immerhin wird der älteste Teil der zur evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Martini in Dransfeld gehörenden Kirche auf das 14. Jahrhundert datiert und wurde ursprünglich sogar als viergeschossiger Wehrturm angelegt.

„Luther war es wichtig, dass man den Gottesdienst als Schule nutzt“, erläutert Wiesenfeldt weiter. Der Reformator wollte sich zunächst auf eine grundlegende Bildung der Gemeinde während des Gottesdienstes, auf deutsche Sprache in den Liedern und Lesungen sowie auf eine klare Abgrenzung von römisch-katholischen Elementen konzentrieren. „Die Menschen sollten wissen, was sie beten“, betont Wiesenfeldt. Das Abendmahl, bei dem neu Brot und Wein verteilt wurde, unterschied sich klar zur römisch-katholischen Tradition, bei der die Gemeinde lediglich Brot bekommen hat. Auch die Predigt zielte darauf ab, die Gemeinde aufzurütteln und zu belehren. Luther traute noch nicht allen Pfarrern der frühen Reformation zu Predigten im Sinne der reformatorischen Theologie zu halten. Daher empfahl er sogenannte Postillen zu verlesen, die durch den Buchdruck allen Pfarreien zugänglich gemacht wurden. Es sollte die zum Sonntag gehörenden Predigt verlesen werden.

Für den vergangenen Sonntag war es eine Predigt zum Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner, Lukas 18 Ferse 9 bis 14. Ein Pharisäer und ein Zöllner gehen in den Tempel zu Jerusalem, um zu beten. Der Pharisäer dankt Gott in seinem Gebet dafür, dass er Pharisäer ist und hebt hervor, dass er sich (in seinen Augen) vorbildlich verhält – und nicht so wie Räuber, Ehebrecher oder der Zöllner neben ihm. Der Zöllner hingegen schlägt sich gegen seine Brust und bittet Gott darum, ihm, dem Sünder, gnädig zu sein. Der Pharisäer, das ist der, der fromm tut und sich selbst über andere Menschen erhebt. Der Zöllner dagegen stand am genau entgegengesetzten Ende der Jerusalemer Gesellschaft. Als jemand, der mit der römischen Besatzungsmacht zusammenarbeitete, wurde er von den meisten Menschen gemieden und verachtet. Wer auf andere verachtungsvoll herunterschaue, könne aber nicht fromm im Sinne Jesu sein, so Luther. „Derjenige, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, derjenige der sich erniedrigt wird erhöht werden“, so die Worte des Reformators.

Im Anschluss an den interessanten Gottesdienst gab es die Gelegenheit, sich gemeinsam bei kühlen Getränken über diese „Zeitreise“ auszutauschen und auch die Kirche in Varmissen besser kennen zu lernen.

Von Bernard Marks

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