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650 Retter proben den Ernstfall

Katastrophenschutzübung 650 Retter proben den Ernstfall

Umgestürzte Bäume, verletzte Personen, demolierte Autos, vermisste Wanderer und Feuer nach Blitzeinschlag. Das war das Szenario, das 650 Rettungskräfte von Feuerwehren, Polizei und Hilfsorganisationen am Sonnabendvormittag im Wald von Bühren vorgefunden haben.

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Aus diesem Auto soll eine schwangere Frau gerettet werden.
 

Quelle: Heller

Göttingen.  In einer Katastrophenschutzübung probte der Landkreis Göttingen „eine Großschadenslage nach Unwetter“. Kurz vor 6 Uhr geht die Alarmierung ein. Beginn der Großübung. Bis zu diesem Zeitpunkt weiß noch keiner der Beteiligten außerhalb des Planungsstabs, was auf ihn zukommt. Koordiniert von der Einsatzleitung am Katastrophenschutzdepot des Landkreises in der Bovender Industriestraße verteilen sich die Einsatzkräfte auf die Einsatzorte.

Die Szenarien sind bewusst anspruchsvoll gestaltet. So ist am Bovender Fernsehturm der Blitz eingeschlagen. Ein Feuer droht auf den benachbarten Wald und andere Gebäude überzugreifen. Die Aufgabe ist allein deshalb eine Herausforderung, weil keine Wasserentnahmestelle in der Nähe vorhanden ist. Hier müssen die Feuerwehren beim Schlauchverlegen nicht nur vier Kilometer Entfernung, sondern auch noch einen Höhenunterschied von 160 Meter überwinden.

Etliche Kilometer entfernt im Wald über Bühren ist die Lage noch komplizierter. Hier sind bei Sturm und Regen, mehrere Bäume umgefallen, Straßen sind unpassierbar. Autos wurden beschädigt, die insgesamt zehn Insassen sind teilweise eingeklemmt. Ein Fahrzeug droht einen Abhang hinunterzustürzen. Wie sich herausstellt, ist unter den Verletzten eine schwangere Frau, ihr Mann steht unter Schock – ein Stamm hat ihren Kleinwagen regelrecht aufgespießt. Wenige Meter weiter ist eine Gruppe Wanderer vom Unwetter überrascht worden und irrt zum Teil in Panik durch den Wald. Mehrere Personen werden vermisst. Suchhundestaffeln sind unterwegs.

Bei derart vielfältigen Einsätzen gehe es vor allem um die Koordination und das Zusammenspiel von Einheiten, die teilweise noch nie zusammengearbeitet haben, erläutert Kreisbrandmeister Volker Keilholz. „Was wir hier heute vorstellen heißt nicht Können, das heißt üben“, betont er zu Beginn der Übung. Die beteiligten Einheiten sind wie bei Katastropheneinsätzen üblich aus einem größeren Bereich zusammengezogen. So sind am Sonnabend neben der Kreisfeuerwehrbereitschaft Göttingen-West auch die aus der Region Hannover, Hilfsorganisationen aus dem gesamten Kreisgebiet und darüber hinaus beteiligt.

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Die Rettungskräfte haben im Landkreis Göttingen am Sonnabend einen Einsatz nach einem Unwetter simuliert.

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650 Einsatzkräfte mit etwa 100 Fahrzeugen stehen den Einsatzleitern zur Verfügung. Diese so zu dirigieren, dass sie sich nicht beispielsweise auf engen Straßen gegenseitig blockieren, sei eine Herausforderung, die geübt werden muss, so Keilholz. Auch die Versorgung der Einsatzkräfte sei eine große Herausforderung, für einige frisch ausgebildete Verpflegungshelfer ist die Übung Teil der Prüfung.

Der Landkreis Göttingen hat in den vergangenen Jahren den Bevölkerungsschutz neu strukturiert. 2,4 Millionen Euro sind seit 2015 in neue Fahrzeuge und Ausrüstung geflossen. Da der Bund sich hier aus der Finanzierung weitgehend zurückgezogen habe, gehe der Landkreis in Vorleistung, so Landkreissprecher Ulrich Lottmann. Aber die technische Ausrüstung sei eben nicht alles. Auch das Personal muss üben. Und das hat am Sonnabend erfolgreich funktioniert.

Von Markus Scharf

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