Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 4 ° Regenschauer

Navigation:
Die Suche nach dem Heuhaufen

Filmpremiere im ZHG Die Suche nach dem Heuhaufen

Wisente, Wölfe, Luchse - Werner Rohlmann aus Bördel bei Dransfeld hat sie alle gesehen, uund zwar durch seine Kamera. Rohlmann ist Naturfilmer, immer auf der Jagd nach dem besten Bild und dem besonderen Naturerlebnis. Sein jüngstes Werk handelt von Masuren, dem nordöstlichen Teil Polens.

Voriger Artikel
Laternenumzug und Tanz in Barlissen
Nächster Artikel
Toyota an der Fahrerseite beschädigt

Werner Rohlmann mit seinem MAN.

Quelle: Niklas Richter

Göttingen/Bördel. Für sein jüngstes Werk über Masuren, den nordöstlichen Teil Polens, hat der 71-Jährige schon zwei Preise erhalten. Im Gespräch berichtet er über grandiose Landschaften, einmalige Begegnungen und den ADAC.

„Es ist mir ein Anliegen, den Menschen das Erleben der Natur näher zu bringen“, sagt Rohlmann. Seine Filme sollen immer eine Geschichte ergeben. Dafür nimmt er einiges auf sich: „Ich stehe teils um 4 Uhr auf“, so Rohlmann. Oft warte er dann Stunden oder sogar Tage auf seine Motive wie seltene Wisente oder scheue Wölfe. Um zu den Tieren zu gelangen, lege er nicht selten tausende Kilometer mit seinem MAN zurück. Ein nach seinen Vorstellungen angefertigtes Expeditionsfahrzeug, das auch mit härtestem Gelände zurecht kommt. „Man muss auch wieder rauskommen“, beschreibt Rohlmann die Schwierigkeiten in entlegenen Landstrichen. In Russland etwa sei er vom Regen überrascht worden und kam nur dank der Geländegängigkeit seines MAN wieder aus dem lehmigen Gebiet.

Der ADAC in der polnischen Einöde

Bei den Dreharbeiten in Masuren half ihm aber auch das nicht weiter: „Ein Bieber hatte den Weg untergraben“. Die Folge: Der schwere LKW sank ein und kam nicht mehr aus eigener Kraft frei. Aber er sei ja im ADAC, sagt Rohlmann. Kurzes Staunen: Der ADAC in der polnischen Einöde? Allerdings. „Es war ein öffentlicher Weg, da durfte ich fahren.“ Das habe er dann auch dem ADAC erklärt und schließlich zogen Helfer seinen Wagen mit kräftigen Winden aus dem Matsch. Seit dem meide er derart schwierige Wege mit dem schweren LKW und nehme lieber das Quad.

Die Idee zu dem Film über Masuren sei Rohlmann bei seinem ersten Besuch Anfang der 1990er-Jahre gekommen. „Die Ursprünglichkeit der Landschaft hat mich inspiriert“, sagt er. Fünf Jahre lang arbeitete der Naturfilmer an seinem Streifen über Masuren. „Ich wollte die unterschiedlichen Jahreszeiten abbilden“, erklärt Rohlmann den zeitlichen Aufwand. Begonnen mit dem Vogelzug reicht sein Film bis hin zur Brunft der Hirsche und dem Rückzug der Kraniche. Aber nicht nur die Natur will Rohlmann in seinen Filmen darstellen, sondern auch die Kultur der bereisten Länder. So finden sich in seinem Film auch eine Feier zum 25-jährigen Bestehen der Deutschen Minderheit in Bischofsburg und geschichtsträchtige Orte wie die Marienburg, Danzig oder das ehemalige Führerhauptquartier, genannt Wolfsschanze, wieder.

Neben Landschaft und Kultur machten aber auch die teils seltenen Tieren den besonderen Reiz seiner Arbeit aus. In Masuren seien das die Wisente, Luchse und Wölfe gewesen, die schwer zu finden und zu filmen waren, aber unbedingt ihren Platz im Film haben sollten. Besonders der Wolf sei eine Herausforderung gewesen: „Ich war froh, überhaupt welche zu finden“. Das sei wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, nur dass man zuerst noch den Heuhaufen selbst finden müsse.

Kroatien als nächstes Ziel

Aber nicht nur große Tiere waren beeindruckend für den leidenschaftlichen Tierfilmer: Bei einer Kanutour konnte er jagende Eisvögel beobachten und filmen. „Das ist schon etwas besonderes“, sagt Rohlmann. Gelohnt hat sich der Aufwand für den Filmer, der auch den Schnitt selbst vornimmt, gleich doppelt: Für seinen Film über Masuren hat Rohlmann den ersten Preis und den Publikumspreis bei den Niedersächsischen Autoren-Film-Festspielen gewonnen, sowie den ersten Preis „Goldener Schmetterling“ beim Bundesfilmfestival Natur.

Auch Pläne für die Zukunft hat Rohlmann bereits: „Die nordischen Länder sind für mich jetzt abgeschlossen, jetzt möchte ich in den Süden.“ Kroatien heißt das nächste Ziel für den Naturfilmer. Interessant seien für ihn dort vor allem die Save-Auen mit ihren Wasservögeln und die bäuerlichen Strukturen.

Premiere feiert der Film „Masuren – Natur erleben in Nordost Polen“ am Freitag, 27. Oktober, um 19.30 Uhr im Zentralen Hörsaalgebäude (ZHG), Platz der Göttinger Sieben 5. Mehr Informationen und Karten unter wero-naturfilm.de. Preise: Erwachsene 9 Euro, Schüler und Studenten 8 Euro. Kinder bis zwölf Jahre haben freien Eintritt. Karten gibt es auch an der Abendkasse.

Von Finn Lieske

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Dransfeld
Der Wochenrückblick vom 4. bis 10. November 2017