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Seltener Grauspecht könnte verscheucht werden

Kletterpark Seltener Grauspecht könnte verscheucht werden

Weil der seltene Grausprecht auf dem Hohen Hagen Ameisen jagt, zieht sich das Genehmigungsverfahren für einen Rutsch- und Kletterpark in die Länge. Seit einem halben Jahr prüft der Landkreis Göttingen mögliche Ausgleichsflächen, die ihm die Stadt Dransfeld im Dezember gemeldet hat.

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Der Grauspecht könnte durch den geplanten Kletterpark gestört werden.

Quelle: Klaus Finn

Hoher Hagen. „Selbstverständlich“, so erklärt der Landkreis auf Anfrage, werde das Verfahren „möglichst zügig, mit der gebotenen Sorgfalt und unter Einsatz der vorhandenen Ressourcen durchgeführt“. Zur Dauer lasse sich jedoch „seriöserweise keine Aussage treffen“. Dafür spielten „zu viele Faktoren eine Rolle“, teilt die Behörde mit.

Rutsch- und Kletterpark

Alexander Fischer will auf dem Hohen Hagen in der Nähe des Gaußturms drei jeweils elf Meter hohe Klettertürme errichten. Von dort führen die drei bis vier jeweils 150 bis 400 Meter langen Seilrutschen hinab in den ehemaligen Steinbruch. Die Geschwindigkeit der Abfahrten wird entweder bei fünf Kilometern pro Stunde für Panoramagenießer oder bei 30 Kilometern pro Stunde für Freunde des Nervenkitzels liegen.

„Ich will zwischen 250.000 bis 380.000 Euro investieren“, sagt Fischer. Er wolle zwei festangestellte Mitarbeiter und zehn 400-Euro-Kräfte beschäftigen. „Der Park soll den Hohen Hagen stärker beleben“, hofft Dransfelds Stadtdirektor Marco Gerls. Der Landkreis begrüßt das Projekt aus touristischer Sicht. mic

Geprüft werden Flächen, auf denen der Specht künftig Nahrung finden soll. „Wir wollen im Steinbruch zugewachsene Flächen wieder freilegen, um sie für Ameisen und damit für den Grausprecht attraktiv zu machen“, erläutert Dransfelds Stadtdirektor Marco Gerls. Unlängst habe es einen Ortstermin mit Vertretern des Landkreises und der Universität Göttingen sowie der Verfasserin des avifaunistischen Gutachtens gegeben – „ohne konkrete Ergebnisse“, so der Stadtdirektor.

Auf dem Hohen Hagen plant der gelernte Schau- und Werbegestalter Alexander Fischer auf einer 2500 Quadratmeter großen Fläche, die aus dem Landschaftsschutzgebiet genommen werden muss, einen Rutsch- und Kletterpark. „Ich bin seit acht Jahren in der Outdoor-Branche tätig“, erzählt er. Er habe als Angestellter bereits mehrere solcher Parks aufgebaut und geleitet. „2015 machte ich mich mit einer Laser-Tag-Anlage am Bodensee selbstständig“, sagt der Unternehmer.

Der Dransfelder Campingplatzbetreiber Bernd Lesser machte ihn auf den Hohen Hagen aufmerksam. Fischer stellte im November 2014 im städtischen Tourismus-Ausschuss sein Projekt vor. Dass es seither nur langsam vorangegangen ist, stört den Investor nicht. „Am Bodensee hat sich das Genehmigungsverfahren drei Jahre hingezogen“, erzählt er.

Für eine sorgfältige Abwägung wirbt der Göttinger Vogelkundler Hans-Heinrich Dörrie. „Der Grauspecht, der in Niedersachsen zu den stark gefährdeten Vögeln gehört, hat zwischen Harz und Weser sein Hauptverbreitungsgebiet“, sagt er. Der Vogel brüte in Buchenwäldern und benötige für die Nahrungsaufnahme offene, nicht chemisch bewirtschaftete Flächen. Sie würden im südlichen Niedersachsen immer knapper. „Ein Rutsch- und Kletterpark mit juchenzenden Kindern könnte das scheue Tier verscheuchen“, fürchtet Dörrie.

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