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„Wir hatten kein Badezimmer“

Mehr als 60 Besucher bei Erzählcafé „Wir hatten kein Badezimmer“

Das Dorfleben im 20.Jahrhundert hat im Mittelpunkt des Erzählcafés gestanden, das am Sonntag in Mariannes Heimatmuseum stattgefunden hat. Mehr als 60 Gäste im Alter zwischen sieben und 90 Jahren sahen eine Foto-Schau, durchstöberten Fotoalben, tauschten Erinnerungen aus und diskutierten über vergangene Zeiten.

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„Wir hatten kein Badezimmer, waren aber sauber“

Aus dem Ort, der näheren Umgebung, aber auch aus Hannover und sogar Australien waren Gäste gekommen.

Quelle: Heller

Scheden. Aus dem Ort, der näheren Umgebung, aber auch aus Hannover und sogar Australien waren Gäste gekommen. Mehr als 14000 Kilometer liegt Cains von Scheden entfernt. Dennoch  betrachtet Katja Hauser (44, geborene Beuermann), die vor zehn Jahren in den Pazifik-Staat auswanderte, den Ort ihrer Kindheit immer noch als „meine Heimat“. Heimat, das ist Scheden auch für Elisabeth Müller und Siegfried Borm – beide haben das ganze Leben in ihrem Geburtsort verbracht.  

Die 90-Jährige ist der Meinung, dass früher zwar vieles gut, das Leben jedoch „viel weniger bequem“ war. „Mag sein“, sagt der 74-Jährige, aber dafür habe mehr Zusammenhalt geherrscht. „Und auch wenn wir kein Badezimmer hatten – sauber waren wir trotzdem“, blickt er zurück.

„Das Leben war viel weniger bequem.“

Viele „Ah“s und „Oh“s lösten die Fotos aus, die Karsten Beuermann mittels einer Dokumentenkamera an die Wand warf. „Das ist doch Manfred“, rief ein alter Herr, „und das Egon“ ein anderer. „Ich hoffe, keiner ist böse, dass die Partybilder gezeigt werden“, sagte Birgit Beuermann unter schallendem Gelächter, als Fotos von einer wilden Party aus den 70er-Jahren zu sehen waren. Die Aufnahmen – obwohl nicht viel mehr als 40 Jahre alt – wirkten wie Relikte aus einer längst vergangenen Zeit, genau wie die Fotos vom Grenzbierfest, die vor 35 Jahren aufgenommen wurden. So mancher blätterte auch mit großem Interesse in einer Sammlung alter Belege und stellte fest, dass noch vor 34 Jahren eine Rechnung über mehrere Tausend Mark handschriftlich ausgestellt wurde. 

„Dies ist eine fantastische Veranstaltung“, sagte Manfred Otto (66), der im Alter von 15 Jahren nach Hann. Münden zog. So viele alte Bekannte wiederzusehen, sei einfach großartig, meinte der ehemalige Kfz-Mechaniker, und erzählte,  wie seine ehemalige Schulfreundin Marianne Beuermann (66) ihn erkannt hatte: „Nicht am Aussehen, aber an der Stimme.“ 

Auch ein Album, das unter anderem Fotos von Männern in grauer Wehrmachtsuniform enthielt, fand viel Aufmerksamkeit, genau wie die Aufnahmenvon Firmen wie Hemo Mohr, Stähly und Manfred Quer. „Ich habe heute viel über den Ort gelernt und viele neue Bekanntschaften geschlossen“, resümierte Brigitte Linne(61), die vor vier Jahren aus Mielenhausen nach Scheden gezogen ist: „Für mich war das eine ganz tolle Veranstaltung.“

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