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„Ein Museum mit offenem Ende“

Ein Jahr Museum Friedland „Ein Museum mit offenem Ende“

Konzerte, eine Sonderausstellung und eine zufriedenstellende Bilanz: Am Sonntag hat das Museum Friedland sein einjähriges Bestehen gefeiert – und zahlreiche Besucher sowohl mit der Ausstellung über die Geschichte des Grenzdurchgangslagers als auch mit der ausgelassenen Stimmung begeistert.

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Friedland. Im Foyer des ehemaligen Friedländer Bahnhofs bebte zeitweise der Boden: Besucher aus der Umgebung, Touristen und Bewohner des Grenzdurchgangslagers tanzten zu kurdischer, russischer und deutscher Musik. Ähnlich ausgelassen war die Stimmung bei den Verantwortlichen: Frank Frühling, beim niedersächsischen Innenministerium für das Museum zuständig, betonte, angesichts von 16 000 Besuchern im ersten Jahr „sehr, sehr zufrieden“ zu sein. Und auch Klaus-Peter Bachmann, Vizepräsident des Niedersächsischen Landtags, sprach in einem Grußwort von einer „Erfolgsgeschichte“.

Für die Besucher stand am Sonntag hingegen die Ausstellung im Vordergrund: „Eintauchen in die Geschichte“ nannte eine junge Frau die Führung, die anhand von Bildern, Erzählungen und Exponaten die 70-jährige Geschichte des nahe gelegenen Grenzdurchgangslagers aufzeigt – angefangen vom Eintreffen deutscher Flüchtlinge aus Osteuropa als Folge des zweiten Weltkriegs über die Aufnahme vietnamesischer Boat People in den 1980er Jahren hin zur Heimkehr von Spätaussiedlern in den 1990er Jahren.
Dass das jüngste Kapitel in der Geschichte des heute „Erstaufnahmeeinrichtung“ genannten Lagers noch nicht abgeschlossen ist, hält er für eine Stärke: Spätestens seit 2015 kommen in Friedland auch zahlreiche Flüchtlinge aus Afrika und dem Nahen Osten an – „Wir sind ein Museum mit offenem Ende“, sagt Frühling dazu und verweist auf die Bemühungen, auch die Schicksale jüngst angekommener Flüchtlinge zu dokumentieren.

Diesen war anlässlich des Geburtstags eine Sonderausstellung gewidmet: In einer der ersten in Friedland errichteten Nissenhütten schilderten sie die Ängste und Hoffnungen, die der Aufenthalt in Friedland für sie mit sich brachte. Daran beteiligt war auch Ahmed Al-Aboudi. Er berichtete: „Zuerst zählt man nur die Tage, dann fängt man an, an die Zukunft zu denken.“
Der Besuch im Museum während der Geburtstagsfeier stimmte den Iraker allerdings nachdenklich. „Die gleiche Geschichte wie meine hat sich also schon vor Jahren schon mal zugetragen,“ war sein Fazit – womit er sich unbewusst auf Bachmanns Linie bewegte: „Was uns damals gelungen ist, muss uns auch heute gelingen“, lautete das Appell des Landtags-Vizepräsidenten, dessen Mutter als Flüchtling einst Friedland passierte.

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