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Raumfüllende Kunst

„Weg zur Arche“ aufwendig restauriert Raumfüllende Kunst

Das Bild nimmt Raum ein. Es reicht von der Decke bis zum Boden, von einer Außenwand des Barackenbaus bis zur anderen. Und es beschreibt, was hier im Flüchtlingslager Friedland Alltag ist: Flucht und Aussicht auf Rettung. Jetzt ist Christa Adrians Monumentalwerk „Auf dem Weg zur Arche“ restauriert worden.

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Wandgroß und metallisch glänzend: Christa Adrians „Weg zur Arche“ wurde restauriert.

Quelle: Christina Hinzmann

Friedland. Es ist nicht allzuviel bekannt über die 1929 in Freiburg geborene, bis 1966 in Bad Godesberg bei Bonn lebende und 2003 gestorbene Künstlerin. In der frühen Bonner Republik war sie Porträtistin etlicher Politiker. Wie genau es dazu kam, dass sie 1962 ihr Hauptwerk, den Kreuzweg in der 1955 geweihten St.-Norbert-Kirche malte, ist unklar. Mutmaßlich war sie mit dem Lagerpfarrer bekannt. Vor dem Kreuzweg malte sie aber schon 1961 eine Innenwand des St.-Ansgar-Hauses aus, das damals wie heute der Jugendbetreuung durch die katholische Kirche diente. Die Malerin der Baumeister-Schule arbeitete damals ganz im Stil der Zeit. Als „einzigartiges künstlerisches Zeugnis dieser Zeit“ bezeichnet Monika Tonsch vom Referat für Kunst- und Denkmalpflege deshalb das Werk.

Die Porträtmalerin ist darin erkennbar. Aus monochromem, metallischem Hintergrund schälen sich abstrakte Gestalten hervor. Einzig die Gesichter sind realistisch. Sie spiegeln Angst und Elend, sehnsüchtige Rückschau und verheißungsvolle Hoffnung auf die rettende Arche.

Das Bild war in einem schrecklichen Zustand. Diplomrestauratorin Beate Skasa-Lindermeir stellte Fehlstellen und Feuchtigkeitsflecken, Schmutz und Fugen im Gipskarton fest. Über Jahre hat sich Werner Freiberg vom Kirchenvorstand deshalb bemüht, Geld für die Restaurierung zu gewinnen. Das ist letztlich gelungen. Das riesige Werk erstrahlt jetzt im neuen Glanz, wurde hinter deckenhohe Glasscheiben gesichert. Mitgeholfen hat neben dem Bistum, das von den Gesamtkosten von 19 000 Euro knapp ein Drittel trug, die Göttinger Litfin-Stiftung, die sich unter anderem die Erhaltung von Kunst zum Ziel gesetzt hat. Die Kirchengemeinde selbst war mit 7000 Euro dabei. Nun hofft Freiberg, auch das zweite große Werk Adrians, den Kreuzweg, eines Tages restaurieren zu können. Der ist nämlich irgendwann einmal „geputzt“ worden. Seitdem zeigt er die Leidenszenen Christi nur noch im Weichzeichner.

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