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„Am Ende sind wir alle Menschen“

„Cellphone-Party“ für Geflüchtete „Am Ende sind wir alle Menschen“

Rund 60 Flüchtlinge haben am Sonnabend fröhlich und ausgelassen im Museum Friedland getanzt. „Ich möchte, dass sie den Moment genießen“, sagte Initiatorin und Museumsmitarbeiterin Samah Al Jundi-Pfaff. Es war auch ein Abend der großen Wiedersehen. 

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Die Geflüchteten können ihre Handys an die Musikanlage anschließen und selbst bestimmen, zu welcher Musik sie tanzen möchten.

Quelle: SPF

Friedland. Einmal im Monat veranstaltet das Museum eine „Cellphone Party“, bei der die Geflüchteten ihre Handys an die Musikanlage anschließen und die Lieder bestimmen können. „Wir lieben die Aktivitäten im Museum Friedland“, meinte Alaa Al Mohammad. Die Musik stelle eine Verbindung zu ihrer Heimat her, erklärte der junge Syrer im Kreis seiner vier Freunde.

Zwei von ihnen hätten bereits eine Wohnung bezogen, die anderen lebten in Sammelunterkünften. An diesem Abend spielte das keine Rolle - ebenso wie ihre Erlebnisse aus den vergangenen Jahren. „Heute Abend sollen sie vergessen“, sagte Jundi-Pfaff, „den Krieg vergessen und sich an das letzte Mal erinnern, als sie getanzt haben.“

Wer anfangs noch gehemmt daneben stand, dem versuchte die Museumsangestellte die Verunsicherung zu nehmen. Sie klatschte, tanzte und motivierte zum Mitmachen. Unter dem Terrorregime des IS sei es zwischen Männern und Frauen verboten gewesen, sich an den Händen zu halten und gemeinsam zu tanzen, erklärte Jundi-Pfaff. Die meisten müssten sich erst wieder daran gewöhnen, erzählte die Syrerin, die einst selbst nach Deutschland geflüchtet war. „Ich helfe ihnen, das Eis zu brechen.“ 

Für Mohamad Al-Mohamad und Alissa Muostafa war dieser Abend aus einem anderen Grund ein besonderer: Nach mehr als zwei beziehungsweise drei Jahren sahen sie am Sonnabend ihre Mütter wieder. Während diese noch in Lagern in der Türkei ausharrten, befanden sich ihre Söhne bereits in Deutschland.

Wäre seine Familie damals nicht aus Syrien geflohen, hätte er entweder für die Armee des Assad-Regimes oder für die Anti-Regierungstruppen kämpfen müssen, übersetzte Jundi-Pfaff für Al-Mohamad und sagte anschließend: „Schritt für Schritt werden sie sich integrieren."

Wie Integration auch funktionieren kann, zeigten wenig später fünf Studenten. Sie kamen während einer Fahrradtour am Museum vorbei, hörten die Musik und entschieden sich spontan mitzumachen. Im Kanon und inmitten der Partygesellschaft sangen sie „Hejo, spann den Wagen an“. Auf die Frage, wie sie dazu kämen, antwortete Marla Freutz: „Weil es ein gutes Zeichen ist und weil wir auch deren Kultur wertschätzen.“

Als die Fünf weiterfahren wollten fragten, zwei junge Mädchen vor dem Museum nach einem Erinnerungsfoto. Nachdem sie auch Nummern ausgetauscht hatten, gingen die Mädchen wieder in das Gebäude, wo ein junger Flüchtling rappte: „Jetzt sind wir Terroristen, weil wir Muslime sind. Am Ende sind wir alle Menschen“. yah

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