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Fake bei Facebook um Terror

"Bombe in Göttingen" Fake bei Facebook um Terror

Ein schlechter Scherz über einen angeblich geplanten Bombenanschlag in Göttingen hat seit Sonnabendabend die Polizei in Göttingen und Northeim in Atem gehalten. In einer geschlossenen Facebook-Gruppe hatte der User mit dem Pseudonym Medo Sharks, der sich unter "Göttingen International Students" eingetragen hatte, die Behauptung aufgestellt, ein Syrer Namens Kamal G. plane einen Bombenanschlag in Göttingen. Nach den Ermittlungen der Polizei war das ein Fake oder Racheakt.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen/Dassel. Der Hinweisgeber, zu dem die Polizei aber noch keinen Kontakt hat, bezog sich auf einen angeblichen Freund aus Syrien. Aus der mit Passbild des Verdächtigten hinterlegten Dokumentenkopie geht hervor, dass Kamal G. am 10. Juni aus Syrien im Grenzdurchgangslager Friedland eingetroffen ist und als Asylbewerber weitergeleitet wurde nach Markoldendorf bei Dassel.

Dort lebt G., sei nach Feststellung der Polizei nach wie vor. Er sei sehr kooperativ und nehme derzeit an einem Deutschkurs teil. Es habe, so heißt es aus Polizeikreisen, nicht den geringsten Hinweis in seiner Wohnung gegeben, dass er einen Bombenanschlag plane oder überhaupt politisch aktiv sei. Deshalb werde davon ausgegangen, dass der Facebook-Nutzer mit der Beschuldigung einen Racheakt gegen ihn ausgeführt habe.

Auch die Polizeidirektion teilte am Dienstagnachmittag mit, eine Gefährdungslage sei auszuschließen. Facebook-Nutzer Sharks ist nach Tageblatt-Informationen im September nach einem Streit mit Nachbarn untergetaucht. Seither fehlt jede Spur von ihm. Mit ihm konnte die Polizei noch kein Kontakt aufnehmen. Mutmaßlich handelt es sich um einen Asylbewerber, der zuletzt in derselben Unterkunft lebte wie G.

Deshalb geht die Polizei nach den bisherigen Ermittlungen davon aus, dass es sich bei dem Facebook-Eintrag um eine persönlich motivierte falsche Anschuldigung handelt. Nach dem Urheber wird weiter gesucht. Der Eintrag hatte in der überwiegend von Nutzern mit arabischen Wurzeln besuchten Gruppe für heftige Spekulationen gesorgt. Das gipfelte am Montagabend in der Behauptung, die Göttinger Polizei habe gegen 20.30 Uhr in der Groner Straße den Verdächtigen G. festgenommen. Daran sei "überhaupt nichts", sagte schon am Montagabend Kripochef Volker Warnecke auf Tageblatt-Anfrage.

Die Polizei hatte das Göttinger Tageblatt gebeten, Informationen über die angebliche Bedrohung bis Abschluss der Ermittlungen zurückzuhalten, um keine Unruhe mit einer Falschmeldung via Facebook zu schüren. Am Dienstagmorgen hatte die Polizeipressestelle den Facebook-Eintrag dann aber doch gegenüber anderen Medien bestätigt.

Polizeipräsident Uwe Lührig bedankte sich am Dienstag bei den vielen Hinweisgebern. Er sagte, dass "die Polizei derartige Mitteilungen sehr ernst nimmt und ihnen entschieden nachgeht."  Wissentlich falschen Anschuldigungen werde die Polizei strafrechtlich verfolgen.

Der Artikel wurde aktualisiert.

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