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Museum als Pilotprojekt

Friedländer Gespräche über Ausstellung und künftiges Führungskonzept Museum als Pilotprojekt

. Auf den Tag genau vor 71 Jahren öffnete das Grenzdurchgangslager Friedland. Vor einem halben Jahr öffnete das Museum Friedland. Anlass genug, kritisch auf das neue Museum zu schauen - und zwar mit Experten. Die vierte Auflage der Friedländer Gespräche hatte den "Fluchtpunkt Museum" im Visier.

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Das Museum Friedland.

Quelle: Pförtner

Friedland. Er ziehe eine "positive Zwischenbilanz der Fachleute", sagte Kurator Joachim Baur zur Halbzeit der Tagung vor Journalisten. Das Konzept des Museums habe "nach lebhafter, niveauvoller Diskussion viel Zuspruch erfahren". Friedland sei ein ausgewiesen günstiger Ort, um Fragen der Migration und Flucht nicht nur aufgeregt auf den Straßen, sondern im geschützen Raum der Museen zu diskutieren. Dadurch habe das Museum Friedland Pilotcharakter.

Allerdings: So vie Zuspruch die museale Darstellung der Geschichte des Lagers auch von den Experten bekam, das Führungskonzept  hat nach Auffassung von Sabine Hess, Professorin der Universität Göttingen, noch Schwächen. Da würde mal ein Bewohner Friedlands mit der Perspektive des Einheimischen führen, mal ein Flüchtling mit der Perspektive des Betroffenen, mal ein historisch Interessierter mit dem Blick auf Friedland als Spätaussiedler- oder Heimkehrer-Ziel. Hess: "Geschlossene Perspektiven. So funktioniert das nicht." Das syrische Flüchtlingskind, das aktuell im Lager lebe, könne mit dem martialisch anmutenden Heimkehrer-Denkmal nichts anfangen. Es müsse gelingen, in Führungen die verschiedenen Perspektiven deutlich zu machen.

Baur will genau das - und mehr: Friedland als Ort fachlicher und gesellschaftlicher Debatte über Migration, aber auch als Museum, das kontinuierlich über sich selbst nachdenkt. Es müsse gelingen, das Museale "in der Gegenwart zu verorten". Seit neuestem hilft dabei eine festangestellt Museumspädagogin. Auch das Ministerium, erklärt Frank Frühling, helfe mit und wolle möglichst viele Verbindungen schaffen, ehe das Museum 2017 in eine Stiftung übergehen werde. Mehr als 300 Schulen der Region wurden angeschreiben, um das Museum als außerschulischen Lernort anzubieten. Auch mit den Kirchen werde Kontakt gesucht, etwa, um Konfirmandengruppen ins Museum zu holen. Die museumspädagogischen Angebote dafür müssen noch erstellt werden.

Und auch das Netzwerk aus Museen und Gedenkstätten in der Mitte Deutschlands. Noch gibt es kaum Gäste, die den Friedland-Besuch mit der Gedenkstätte Mittelbau Dora bei Nordhausen, mit der KZ-Gedenkstätte Moringen oder dem Grenzlandmuseum Teistungen verbinden. Das aber soll ausgebaut werden, sagt Baur. Historisch interessierten Gruppen könnte dann das Angebot mehrerer Museumsbesuche in Verbindung mit kulturellen und gastronomischen Zielen gemacht werden. Mit diesem Netzwerk stehe man noch am Anfang. Immerhin: Die Kollegen der genannten Einrichtungen waren dabei, als Museumsexperten sich jetzt mit dem Fluchtpunkt Museum beschäftigten.

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