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Historiker erforscht das Lager Friedland

Der Weg zum "Tor der Freiheit" Historiker erforscht das Lager Friedland

Seit 70 Jahren nimmt das Lager Friedland Flüchtlinge auf. Der Großteil bleibt nicht lange. Bei der Beschreibung des Lagers als „Tor zur Freiheit“ wirken lokale und überregionale Akteure zusammen. So erklärt sich Historiker Sascha Schießl den guten Ruf Friedlands.

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Der Historiker Sascha Schießl ergründet in seinem Buch, wie das Lager Friedland zum "Tor der Freiheit" wurde.

Quelle: Heller

Friedland. Dass ein Lager jahrzehntelang ohne Zäune, Mauern und Kameras auskommt, fasziniert den Göttinger Wissenschaftler. In seiner Doktorarbeit über die 1945 von den Briten gegründete Einrichtung versucht er dem auf den Grund zu gehen. Im März erschien das Buch zur Eröffnung des Friedländer Lager-Museums. Dort stellte es Schießl am Freitagabend 20 Zuhörern vor.

„Nach dem Krieg kamen deutsche Flüchtlinge und Vertriebene kurz hinter der Zonengrenze in Friedland unter“, führte der Wissenschaftler aus. Als „Tor zur Freiheit“ habe die Lagerleitung gemeinsam mit Kirchen, Wohlfahrtsverbänden und den Medien den Ort inszeniert und dabei mit antikommunistischen Ressentiments gespielt.

Sascha Schießl

Sascha Schießl (35) hat in Göttingen Geschichte, Germanistik und Politologie studiert. Von 2008 bis 2013 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zeigeschichtlichen Arbeitskreis Niedersachsen. 2015 wurde er promoviert. Heute koordiniert Schießl für die Jugendhilfe Südniedersachsen die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge.

Der Begriff sei spätestens mit der Aufnahme der letzten 10.000 deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion 1955 fest verankert, erklärte Schießl. Die Heimkehrer hätten der Öffentlichkeit als „Opfer“ gegolten. Der deutsche Angriffskrieg und nationalsozialistische Verbrechen seien ausgeblendet worden. Dabei hätten sich unter den Rückkehrern auch Einsatzgruppenleiter, KZ-Aufseher und KZ-Ärzte sowie hohe Parteifunktionäre befunden. Das sei erst thematisiert worden, als die Menschen Friedland schon wieder verlassen hatten.

„Der Ort konnte seinen Ruf als Tor zur Freiheit in den kommenden Jahrzehnten wahren“, sagte der Historiker. Friedland habe Gruppen aufgenommen, die der Gesellschaft sympathisch gewesen seien, darunter Aussiedler, Ungarn nach der Niederschlagung des Aufstands von 1956 sowie in den 70er-Jahren vietnamesische Boatpeople.

Dass die positive Haltung im Ort gegenüber Fremden auch kippen kann, kam in der Diskussion zur Sprache. Als das Lager im vergangenen Jahr mit mehr als 3000 Flüchtlingen überbelegt war, gab es plötzlich auch feindselige Stimmen. Trotzdem hätten rechte Gruppen bis heute nicht in Friedland Fuß fassen können, wurde betont.

Sascha Schießl: „'Das Tor zur Freiheit' Kriegsfolgen, Erinnerungspolitik und humanitärer Anschspruch im Lager Friedland.“ Göttingen, 77 S., Wallstein, 35 Euro

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