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„Ich wusste nicht, was ich machen soll“

Als einer der ersten Bufdis arbeitet Ibrahim Ismail bei der Caritas „Ich wusste nicht, was ich machen soll“

Dolmetschen, Spenden verwalten und Ehrenamtliche koordinieren: Der 19-Jährige Ibrahim Ismail ist seit zwei Monaten als „Bufdi“ bei der Caritas in Friedland tätig. Er ist damit einer der ersten Bundesfreiwilligendienstler in der Flüchtlingshilfe in Niedersachsen.

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Ibrahim arbeitet bei der Caritas als Bufdi, hier im Second-Hand-Laden für Flüchtlinge.

Quelle: Christina Hinzmann

Friedland. In seiner Funktion trägt er in Friedland „ziemlich viel Verantwortung“. Eigentlich wollte Ismail KFZ-Mechatroniker werden, fand aber „trotz eines sehr guten Zeugnisses“ keinen Ausbildungsplatz. „Ich wusste nicht, was ich machen sollte“, erzählt er. Weil er eine Lücke im Lebenslauf vermeiden wollte, hat seine Schwester, eine Sozialarbeiterin in Friedland, den Bundesfreiwilligendienst vorgeschlagen.

Hier hat er auf einmal ziemlich viel Verantwortung „für einen Bufdi“, findet der 19-Jährige. In Vollzeit koordiniert er die Ehrenamtlichen in der Kleiderkammer, nimmt Spenden an und dolmetscht, weil er als Sohn libanesischer Eltern fließend arabisch spricht.

Deshalb ist Ismail auch der zentrale Ansprechpartner für viele der Flüchtlinge in der Kleiderkammer - was manchmal „ganz schön anstrengend“ sei. Aber selbst wenn die Stimmung im Gedränge manchmal aggressiver sei, versuche er „locker zu bleiben“ und sich zu sagen: „Das liegt nicht an mir“.

Ein Tag, an dem er „sehr unter Stress stand“, ist allerdings im Gedächtnis geblieben: Ein junger Flüchtling habe sich nicht an Anweisungen halten wollen. Als der „beleidigend wurde, habe ich mich echt schwach gefühlt“, schildert Ismail. Dabei hatte er eigentlich mit so etwas gerechnet - „aber nicht so heftig“.

Heute gibt sich Ismail abgeklärter: „Ich glaube, die Flüchtlinge sind so emotional wegen dem, was sie durchgemacht haben - das geht eben auf die Psyche“. Auch dank seiner Vorgesetzten sieht er in den Geschehnissen mittlerweile „eine gute Erfahrung im Umgang mit Stress- und Gewaltsituationen“.

Nach zwei Monaten bei der Caritas in Friedland fragt sich Ismail, „ob etwas Soziales nicht vielleicht doch besser als eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker ist“. Den Bundesfreiwilligendienst findet er jedenfalls sehr gut. Nur, dass er nachts allein im riesigen Haus der Caritas in Friedland wohnt, sei „manchmal ein bisschen gruselig“.

Das Programm:

Seit Dezember 2015 läuft das Sonderprogramm Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug. 10 000 „Bufdi-Stellen“ wolle man damit schaffen, die einen Bezug zur Arbeit mit Flüchtlingen haben und auch mit anerkannten Flüchtlingen besetzt werden können, erklärt Antje Mäder, Pressesprecherin im Bundesfamilienministerium. In Südniedersachsen sind die Duderstädter Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung, der Landkreis Northeim, die Stadt Göttingen und der Göttinger Flüchtlingsheimbetreiber Bonveno als Dienststellen anerkannt.

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