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Friedland als Freiheitssymbol

"Mythisch überhöhtes Medienereignis" Friedland als Freiheitssymbol

Vorbesichtigung im Museum - am 17. März, dem Tag vor der Eröffnung. Schon im Voyer wird die Gegenwart dieses Datums in Bezug gesetzt zu einem anderen 17. März aus der Geschichte des Lagers. Kein Zufall: Das Museum will die Beziehung herstellen zwischen heute und 70 Jahren Lager-Geschichte, zu 70 Jahren Migration in die Bundesrepublik.

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Quelle: Pförnter

Friedland. Zum Beispiel im Raum fünf: Da wird in einer fulminanten Medieninstallation jene Phase dargestellt, die Friedland zum Mythos machte - die Heimkehr der 10 000. Spätheimkehrer erreichen im Herbst 1955 die südniedersächsische Aufnahmeeinrichtung. Jubelnde Menschenmassen, Spitzenpolitiker, Kameras und Mikrophone erwarten sie. Ein "mythisch überhöhtes Medienereignis", eines der ersten in der Geschichte der Bundesrepublik, war diese Heimkehr, erklärt Joachim Baur, der Kurator des Museums, den Journalisten. 

Vielschichtige Heimkehrer

Und die Kehrseite? Die liest man in den Lebensläufen von 13 Heimkehrern gleich hinter der Trennwand. Kriegsverbrecher sind unter den Bejubelten, echte Kriminelle, aber auch solche, die keineswegs Kriegsgefangene, sondern politische Häftlinge aus dem sowjetischen Machtbereich waren. Die damalige Inszenierung der Heimkehr, die Friedland erst weltbekannt machte, diente, so Baur, auch der "Victimisierung der Nachkriegsdeutschen". Sie durften sich im Wirtschaftswunder als Opfer der Kriegsfolgen sehen.

Diese differenzierte Sicht auf die Geschichte, auf die Widersprüche und politischen Folgen der Einwanderungs- und Heimkehrwellen ist es, was das historisch-pädagogische Konzept des Museums ausmacht. Das alles erlebbar mittels eines zweisprachigen elektronischen Führers, der in allen Räumen neue Filme, Erläuterungen, Grafik-Animationen oder Lichtbildprojektionen auslöst.

Das kleine Gerät erzählt die Geschichte des ausgestellten Bolzenschneiders, mit dem die Böseckendorfer aus der DDR flüchteten, es schildert die Not eines Sohnes, dem auch der DRK-Suchdienst den Vater nicht aus dem Krieg wiederbringen konnte, und er setzt die Erklärungen für jene politischen Ereignisse in Gang, die zu den Flüchtlingswellen führten, die dann in Friedland strandeten.

Bis in die Zukunft

Ganz zum Schluss, im letzten Raum, wird noch einmal die Beziehung zwischen Geschichte und Gegenwart deutlich: Grafisch wird die Zahl der Zugänge ins Lager dargestellt. 15 Zentimeter hoch der Balken für die vielen Asylsuchenden im Jahr 2015. Ganz vorn, 70 Jahre früher, reicht der Balken bis an die Decke des Raumes.

Und schon jetzt reicht das Konzept weit über das eigentliche Museum hinaus bis in die Zukunft: Im Lager selbst, in der Nissenhütte, stehen nicht mehr nur historische Objekte. An der Wand hängen Fotos und Lebensbeschreibungen von Einwanderern, die in Friedland ankamen und sich integrierten in Deutschland. Hier werden künftig andere Porträts und Interviews hängen, solche von jenen Menschen, die erst morgen oder übermorgen in Friedland aufgenommen werden.

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Rundgang durch das Museum nach der Schlüsselübergabe.

Es wird einer der besucherreichsten Tage bleiben. 600 Gäste haben am Freitag die Eröffnung des Museums für "Abschied, Ankunft, Neubeginn" im Bahnhof Friedland erlebt und die Ausstellung zu 70 Jahren Migrationsgeschichte gesehen. An einem Ort, an dem man "aus der Geschichte die Gegenwart verstehen" kann.

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