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Neue Abläufe im Flüchtlingslager Friedland

Situation "äußerst entspannt" Neue Abläufe im Flüchtlingslager Friedland

Längst nächtigen in der Friedländer Erstaufnahmeeinrichtung keine Flüchtlinge mehr auf Matratzen auf den Gängen. Dass die Situation dieses Jahr nach Angaben der Lagerleitung „äußerst entspannt“ ist, liegt auch an Friedlands zentraler Rolle bei der geänderten Flüchtlingspolitik.

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Im Lager Friedland hat sich die Situation entspannt.

Quelle: Hinzmann

Friedland. Denn außer sogenannten Spätaussiedlern nimmt Friedland derzeit vor allem Flüchtlinge wie den Syrer Ali Al-Ali auf: Der Familienvater konnte als sogenannter Resettlement-Flüchtling samt Familie direkt aus der Türkei mit einem Flugzeug einreisen.Weil das UN-Flüchtlingswerk (UNHCR) ihn schon vor Ort ausgewählt hatte, erwartet ihn in Friedland „ein völlig anderes Verfahren“, wie Heinrich Hörnschemeyer, Leiter der Friedländer Erstaufnahmeeinrichtung, erklärt.

Resettlement und EU-Türkei-Deal

Im März hat sich die Europäische Union mit der Türkei auf ein Flüchtlingsabkommen geeinigt, das unter anderem die direkte Einreise von Flüchtlingen aus der Türkei vorsieht. Dabei soll für jeden aus Griechenland in die Türkei gebrachten Flüchtling ein Syrer aus der Türkei nach Europa einreisen – bisher sind so rund 700 Flüchtlinge nach Europa gekommen, 72000 sollen es maximal sein. Für die Auswahl der Kandidaten in Syrien ist das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) zuständig. Ihm zufolge hindert die Türkei mittlerweile Akademiker und Hochqualifizierte Syrer an der Ausreise. Dadurch, dass das Land Niedersachsen in Bad-Fallingbostel Erstaufnahme-Einrichtungen für Flüchtlinge mit insgesamt rund 6000 Plätzen eingerichtet hat, spielen kleinere Standorte wie Friedland oder Bramsche eine neue Rolle: Sie werden hauptsächlich für direkt einreisende Flüchtlinge wie beim Resettlement-Programm des UNHCR oder beim Relocation-Programm der EU genutzt.

Der zweiwöchige Aufenthalt umfasse eine Woche zur endgültigen Klärung des Asylverfahrens, in der zweiten Woche soll Hörnschermeyer zufolge ein Wegweiser-Kurs die Neuankömmlinge auf die Verteilung in die Kommunen vorbereiten. „Das funktioniert gut“, sagt Hörnschemeyer – das System wird mit Flüchtlingen aus allerlei Krisenregionen seit Jahren praktiziert.

Kaum Hilfe in der Türkei

Für Al-Ali steht deshalb der Umzug in eine Kommune unmittelbar bevor: Er hofft, dann wieder als Lkw-Fahrer arbeiten zu können. Aber vor allem, dass seine Kinder eine Schule besuchen können, liegt ihm am Herzen. In der Türkei sei das nicht möglich gewesen, generell habe es dort „fast gar keine Unterstützung“ seitens der Regierung für die syrischen Flüchtlinge gegeben. Ähnliches berichtet auch Osman Hassan Sheikh, ebenfalls Syrer: Sein Sohn habe eine Behinderung, unterstützt habe ihn die türkische Regierung nicht: „Sie haben uns die Medikamente einfach nicht gegeben“, erinnert sich Sheikh.

Wegen des Gesundheitszustandes seines Sohns sei die Einreise mit Hilfe von Schleusern trotzdem keine Option gewesen, sagt Sheikh. Auf dem gleichen Weg wie er konnten bisher 292 Flüchtlinge nach Deutschland einreisen – sie alle haben das Grenzdurchgangslager Friedland passiert.

Von Christoph Höland

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