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Praxis in Groß Schneen wiedereröffnet

Neueröffnung sechs Monate nach Unwetter Praxis in Groß Schneen wiedereröffnet

Dass Mitarbeiter und Patienten das mitgemacht haben, darüber wundert sich Evelyne Schönewald heute noch. Vor sechs Monaten hat eine Fäkalien-Flut nach einem Unwetter ihre Praxisräume überflutet. Sie und Kollege Michael Baumann wähnten sich vor dem Aus. Ein halbes Jahr später eröffnen sie wieder.

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Vorher, nachher: So hoch ist die bakterienverseuchte Brühe in die Wände gezogen, zeigt Evelyne Schönewald.

Quelle: Schönewald/Wenzel

Groß Schneen. Eine Logopädin, die sprachlos ist, kommt eher selten vor. Am Morgen des 17. August 2015 war das so. Mühsam war die 44-Jährige zum morgendlichen Dienst von Klein Schneen über Umwege nach Groß Schneen gefahren - überall Überflutungen und abgerissene Äste. Sie betrat nichtsahnend die Gemeinschaftspraxis und fand eine riesige braune Lache vor. Das Rekord-Unwetter hatte nicht nur die Sporthalle überflutet, die dort lebenden Flüchtlinge in die Flucht geschlagen, sondern auch die überlastete Kanalisation überfordert. Wassermassen hatten durch die Schmutzwasserrohre Schlamm und Fäkalien gedrückt und in riesigen Mengen aus der Toilette quellen lassen. Kaum einer der 280 Quadratmeter blieb verschont.

Die lichten Räume an der Landstraße, einst Fahrzeughalle der Straßenmeisterei, werden seit zehn Jahren von der Logopädin und dem Ergotherapeuten Michael Baumann als Gemeinschaft betrieben. Die zupackende Art ihrer Chefin spornte nach dem Unglück auch die 13 Mitarbeiter an. Schnell wurde alles geräumt, aufgewischt - und wirkte wieder trocken. Doch wenige Tage später begann es zu stinken.

Bald war klar: Der Schlamm hatte sich unter den Boden gefressen, war die Wände hochgezogen, hatte zu Schimmelbildung in Massen geführt und alles mit Kolibakterien verseucht. Bis zu einem Meter hoch mussten alle Wände herausgerissen werden. Alle Fußböden wurden entfernt. Allein der Gebäudeschaden beträgt 130.000 Euro.

Damit nicht genug. Die Praxis musste ausfallen. Mindereinnahmen von 30 000 Euro für die beiden Therapeuten, für die keine Versicherung einsteht. Und das Personal musste weiter bezahlt werden. In ihrer Not suchten Schönewald und Baumann Helfer. Und die waren zahlreich. Freunde und Nachbarn stellten das Mobiliar ein. Die Gemeindeverwaltung suchte mit nach Ersatzräumen. Ein Anwalt aus Niedernjesa vermietete für ein halbes Jahr sein Kanzleigebäude. Selbst die Zulassungsstelle für Praxen war großzügig und genehmige ohne viel Federlesens die neuen, eigentlich kaum praxistauglichen Räume. Und selbst die Patienten zogen mit, nahmen weitere Wege und Wartezeiten inkauf.

Nach sechs Monaten Sanierung aller Räume wurde in dieser Woche wieder eingeräumt. Ab Montag läuft der Betrieb mit Logopädie und Ergotherapie wieder im vollen Umfang. „Hut ab vor meinem Team“, sagt Schönewald, „Wir hatten schließlich alle Angst. Wir dachten: Das wars dann mit unser schönen Praxis.“

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