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Reiffenhausen-Mord: Angeklagter entwirft kruden Komplott

Briefe aus der U-Haft Reiffenhausen-Mord: Angeklagter entwirft kruden Komplott

Wer schreibt, der bleibt - wohl im Gefängnis. In vier Briefen, deren Inhalt am Dienstag im Mordprozess gegen den 28 Jahre alten Angeklagen Christian M. thematisiert wurden, hat dieser eine wilde Komplott-Theorie entwickelt. Sie soll erklären, dass er falsch belastet worden sei. Mörder sei ein unbekannter Dritter. Doch die Briefe belasten ihn selbst.

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Reiffenhausen. Der Haken an der Komplott-Theorie: Die Briefe enthalten Täterwissen, Angaben, die nur der Täter kennt. Und sie wurden zum Teil geschrieben, als der in Untersuchungshaft sitzende M. den Ermittlungsstand nicht wissen konnte. Der letzte Brief, so einer der Polizeibeamten, sei später an den Stand der Ermittlungen angepasst worden. Insgesamt belastet die krude Komplott-Theorie also den Schreiber selbst - Christian M.

Dabei sollten die Schilderungen gar nicht der Polizei in die Hände fallen. Sie waren gedacht als entlastende Erklärungen gegenüber einem Mitgefangenen, der Ex-Freundin (Schwester des Mordopfers) und einem Freund. Der Mitgefangene aber, der den Brief an einem Bindfaden aus der unter ihm liegenden Zelle des M. geangelt haben will, schaltete die Polizei ein. Die durchsuchte zweimal die Zelle des mutmaßlichen Mörders und fand weitere Briefe.

In den Schriftstücken beschreibt M. aus Perspektive eines unbekannten Helfers, wie der Bruder seiner Freundin, also das spätere Opfer, einen Komplott gegen ihn schmiedet. Diebstähle von Geld, Waffen und einem Rad habe demnach das Opfer Daniel S. begangen und durch den Helfer Spuren legen lassen, damit der Verdacht auf M. fällt. Schließlich habe sich Daniel S. aber mit dem Unbekannten um Geld gestritten.

Am Tattag sei es zwischen beiden zum Streit gekommen, wobei der Unbekannte S. erschossen habe. Auch für diese Tat sei M. dann durch dafür eigens gelegte Spuren falsch belastet worden. Demnach hätten seine Gegenspieler ihm bereits lange vorher Zugangsdaten fürs Internet, Schlüssel und Schuhe stehlen müssen, um den Verdacht Wochen später auf ihn zu lenken. Sie hätten ihn gezielt ausspionieren und genau wissen müssen, wo er am Tattag, den 2. Februar, genau war.

Einer der Briefe enthält, was selbst die Ermittler bis heute nicht wissen: Dass ein weißes Paar Turnschuhe von M. am Tatort war - angeblich als falsche Spur. M.s weiße Turnschuhe befinden sich aktuell noch beim Landeskriminalamt und werden mit Spuren vom Tatort verglichen. Ergebnis offen.

Auch die Rekonstruktion seines Tagesablaufs hat Christian M. am Dienstag schwer belastet: Sein Vater hatte ausgesagt, der Sohn sei um 18.30 Uhr zu Hause (Gemeinde Gleichen) weggefahren. Um 19.10 Uhr wurde das Handy des Opfers ausgeschaltet. Das war mutmaßlich kurz nach den tödlichen Schüssen am Schleierbach bei Reiffenhausen. Um 19.50 Uhr wurde M.s Handy am Leineberg in Göttingen eingeloggt. Ein Foto, das er postete, zeigt sein Auto um 20.30 Uhr am Leineberg, wo er Pizza geholt hatte.

Ein Polizeibeamter, der die mutmaßlichen Wege M.s abgefahren ist, sagte gestern aus: Je Fahrtstrecke seien es rund 20 Minuten gewesen. Es habe "in jedem Fall" genug Zeit für die Tat bestanden. Nur bei seinem Arbeitgeber am Hagenberg, angeblich Grund für die Autofahrt, könne er wohl kaum gewesen sein. Aber dafür, das wurde am Dienstag auch deutlich, gab es weder Belege noch einen Grund. Denn auf den Dienstplan musste M. nicht mehr schauen. Per SMS war ihm schon mittags mitgeteilt worden, wo er tags darauf arbeiten soll.

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