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Rollender Kiosk am Wendebachstausee ist Geschichte

„Irgendwie vermisse ich es schon“ Rollender Kiosk am Wendebachstausee ist Geschichte

Nein, so richtig gelöst haben sie sich noch nicht. „Irgendwie vermisse ich es schon“, sagt Gerda Lippold und ihr Ehemann Adolf nickt zustimmend. 34 Jahre haben sie mit ihrem rollenden Kiosk die Badegäste am Wendebachstausee im Süden von Göttingen versorgt und das Areal gepflegt – jetzt hören sie auf.

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Quelle: EF

Friedland/Gleichen. Sie sind eine Institution. Wenn Adolf Lippold an lauen Sommertagen gegen Mittag mit seinem Gespann über den schmalen Weg zum See rollte, grüßten vor allem Stammgäste schon vom weiten. Ein Trecker, ein großer weißer rollender Kiosk und ein WC-Wagen hinten dran. Wenn das Wetter schön war, spannten Lippolds an und positionierten ihre Wagen im Schatten der Bäume ganz in der Nähe der Liegewiesen und Grillplätze.

Jahrein, jahraus während der mehrmonatigen Badesaison. Und immer mussten sie das Gespann abends wieder abziehen (eine Auflage für Natur), zu Hause den Toilettentank säubern, den Grill säubern, die Kühltruhen auffüllen und vielleicht auch mal Kuchen für den nächsten Tag backen.
„Eis und Pommes gingen immer am besten“, sagt Adolf Lippold. „Auch wenn es richtig heiß war und wir im Wagen ordentlich geschwitzt haben, liefen Fritteuse und Würstchengrill auf Hochtouren“, ergänzt Gerda Lippold.

Ihr Mann selbst hatte vor mehr als 34 Jahren die Idee, einen rollenden Kiosk und WC-Wagen anzuschaffen, um den Badegäste am Stausee zwischen Niedernjesa und Reinhausen noch mehr Vergnügen zu bereiten – er war damals Ortsvorsteher in seinem Wohnort Stockhausen. Der Zweckverband für die Freizeitanlage zog mit und finanzierte die Wagen. Es war das dritte Standbein der Lippolds neben seinem Beruf als Kaufmann bei Grundig und späterer mehrere eigenen Geschenkeläden in Göttingen und Hann. Münden.

Der geplante Start am Pfingstwochenende 1981 fiel allerdings komplett ins Wasser. Ein Hochwasser hatte binnen Stunden Badestelle und Liegewiesen überflutet, „alles war verschlammt“, erinnert sich Adolf Lippold.
Über ihre dann folgen 34 Jahre „am See, dahinten“ erzählen Lippold spürbar gerne und mit schönen Erinnerungen - an die vielen Stamm-Badegäste sogar aus dem Harz und aus Bad Soden, an die „immer freundlichen DLRG-Mitglieder im benachbarten Wachhäuschen und „an die Ruhe und Natur da draußen“.

Dass sie in Ordnung blieb, gehörte zu den weiteren Aufgaben der Lippolds: Wiesen mähen (mit Hilfe von zwei Bauern), täglich Müll aufsammeln und immer wieder Bänke, Tische und Grillanlagen reparieren. „das war dann schon sehr ärgerlich“, sagt Adolf Lippold, wenn er an immer wieder demolierte oder als Feuerholz verwendete Holzbänke zurückdenkt.„Trotzdem, es hat immer Spaß gemacht“, sagen beide. Aus Alters- und gesundheitlichen Gründen hören sie auf – mit 72 beziehungsweise 76 Jahren. An den See wollen sie aber auch künftig fahren – als Gäste.

Nachfolger gesucht

Der Zweckverband für das Erholungsgebiet Wendebachstausee hat die Pflege und gastronomische Betreuung der Besucher des Geländes neu ausgeschrieben. Gesucht werden ab sofort ein oder mehrere Pächter und Dienstleister für drei Aufgaben (sogenannte Lose), die getrennt oder aus einer Hand umgesetzt werden können. Los 1 bezieht sich auf die Grünpflege inklusive Mähen und Müllbeseitigung, Los 2 auf den Betrieb eines Kioskwagens, Los 3 auf den Betrieb eines Toilettenwagens. Kiosk und WC-Wagen werden nur während der Badesaison eingesetzt. Weitere Infos gibt es unter Telefon 05592/ 50110.

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