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Schwurgericht verhandelt am Tatort des Reiffenhausen-Mordes

Leiche mit Weidepfosten abgedeckt Schwurgericht verhandelt am Tatort des Reiffenhausen-Mordes

Am Tatort ringen die Angehörigen mit den Tränen. Der Angeklagte, der 28 Jahre alte Christian M., steht in Handschellen daneben, als ginge ihn das nichts an. Hier soll er den Bruder seiner Freundin getötet haben. Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts hat am Dienstag im Freien verhandelt: Ortstermin am Tatort.

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Leichenfundort - im Hintergrund das Gericht

Quelle: Hinzmann

Reiffenhausen. Alle sind da: die Richter, der Staatsanwalt, Nebenkläger und ihre Anwälte, der Verteidiger, die Protokollführerin. Wachmeister halten den Angeklagten an Handfesseln fest.

Zeugen der Polizei berichten nach förmlicher Belehrung, was sich zu der Örtlichkeit westlich der Klippmühle im Schleierbachtal sagen lässt. Hier sind am 10. Februar dieses Jahres, acht Tage nach dem Verschwinden des 27-jährigen Daniel S. aus Reiffenhausen, dessen Gummistiefel im Gestrüpp zwischen Autobahn und Feldweg entdeckt worden. Polizeibeamte erspähten sie zufällig im Vorbeifahren.

Sie waren den Weg abgefahren, weil sich im SMS-Verkehr des Gesuchten ein Hinweis darauf fand, dass S. sich vor dem Verschwinden mit einer jungen Frau in der Nähe der Klippmühle treffen wollte. Einer der Stiefel war hoch im Gebüsch hängen geblieben. Hinter der Holzbank am Weg fanden die Beamten zudem Bonbonpapier - Papier jener Marke, wie sie später im Haus des mutmaßlichen Mörders in vielen Tüten gefunden wurde.

Zwei Tage später gab es eine erste Suchaktion mit Spürhunden. Sie erbrachte schreckliche Gewissheit: Am Ufer des Schleierbachs, 40 Meter vom  Feldweg, 100 Meter von der A38, fanden die Hunde den leblosen Körper des mit sechs Schüssen Getöteten. Sein Leib war wohl über die abfallende Wiese hier her geschleift und mit einem Stapel alter Weidepfosten bedeckt worden.

Während am Dienstag bei strahlendem Sonnenschein zwischen gelben Herbstblättern munter der Bach rauscht, muss der Täter in der Mordnacht sein Opfer hier hastig vor dem einsetzenden Schneefall versteckt haben. Die Gummistiefel fanden sich 103 Meter vom Tatort, an dem später drei der sechs Patronenhülsen entdeckt wurden.

Weitere 108 Meter entfernt fand die Polizei einen Handschuh des Opfers. Den muss Daniel S. ausgezogen haben, ehe er noch einen Notruf absetzen konnte. Warum der Handschuh so weit entfernt vom Tatort lag, gibt den Ermittlern Rätsel auf. Vielleicht ein Tier? Der Weg wird gern zum Gassigehen genutzt.

Nach den Polizisten wird eine Rechtsmedizinerin befragt. Sie war am Fundort der Leiche, beschreibt, wie sie lag. Ja, es habe Hinweise gegeben, dass das Opfer bis zum Bach geschleift wurde - unter anderem die fehlenden Gummistiefel sowie Spuren des Zerrens an der Hose.

Zwei Erkenntnisse nehmen die Prozessbeteiligten noch vom Tatort mit: Der Schütze muss sich bewegt haben. Die Patronenhülsen lagen verstreut. Und der Täter muss dem Opfer nahe gewesen sein. Sechs Schüsse, die treffen, feuere man im Dunkeln nicht aus der Ferne ab, obwohl in der Tatnacht Vollmond gewesen sei.

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Mordprozess Reiffenhausen

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