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160 Umdrehungen für die Uhrzeit

100 Jahre alte Kirchturmuhr in Krebeck 160 Umdrehungen für die Uhrzeit

Schon als Achtjähriger begleitete Reimund Röring seinen Vater, wenn der die Krebecker Kirchturmuhr wartete. Heute ist Röring 82 Jahre alt und schaut noch immer auf dem Turm nach dem Rechten, nun unterstützt von Sohn Thomas (56). Küsterin Erika Priesnitz (76) zieht die mechanische Uhr alle sechs Tage.

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Reimund Röring bei der Wartung.

Quelle: AIB

Krebeck. Die Treppen hinauf zu den beiden Mannhäusern der Kirche sind anfangs breit, doch dann wird es eng und steil. Dort oben über den Dächern der umliegenden Häuser steht ein mannshoher Holzkasten. Er schützt die Uhr gegen Dreck. Das ist auch nötig. Staubig ist es. Eulen speien Gewölle aus. Dohlen fallen beim Nestbau Zweige herunter. Immer wieder dringen Tauben ein. Auch Fledermäuse sind unterwegs.

Orientierungshilfe für die Bauern auf dem Feld

Mehr als 100 Jahre ist die Kirchturmuhr alt. Sie gehört zu den wenigen im Eichsfeld, die noch mechanisch betrieben werden. 1898 hatte die politische Gemeinde beschlossen, ein Drittel der Kosten zu übernehmen. Daraufhin erteilte die Kirchengemeinde einem Uhrmacher den Auftrag. 1800 Mark kostete der Zeitmesser. Seit seiner Fertigstellung schlagen zwei Glocken die Viertel- und die ganzen Stunden. „Die Bauern auf dem Feld orientierten sich früher daran“, erzählt Röring. Nur wenige hätten damals eine Uhr besessen.

In sechs Tagen ein bis vier Minuten langsamer

Auch nach einem Jahrhundert funktioniert die Uhr noch gut. „Alle sechs Tage geht sie ein bis vier Minuten nach“, berichtet Priesnitz. Im Winter, wenn sich das Metall zusammen zieht und die Uhr schwerer geht, sind es mehr. Mit einer Kurbel zieht die Küsterin, die die Aufgabe 1992 übernommen hat, drei Gewichte im Turm nach oben. 160 Umdrehungen sind nötig. Dann schwingt das Pendel wieder sechs Tage lang und die Glocken läuten.

„Ich muss die Uhr einmal im Jahr schmieren“, sagt Röring, der seit dem Tod seines Vaters 1973 für die Wartung verantwortlich ist. Reparaturen fallen so gut wie nie an. Unter den Gewichten, die im Turm hängen, hat er einen Haufen Sägespäne aufgeschüttet. Die Seile könnten reißen, erklärt er. Dann soll der Haufen die Gewichte daran hindern, die Decke zu durchschlagen und die Orgel zu beschädigen. Seit ein paar Jahren begleitet ihn sein Sohn Thomas Röring, der seinen Vater eines Tages ablösen will. Denn die Kirchengemeinde hält an der mechanischen Uhr fest. „Eine digitale würde zwar nicht so viel Arbeit machen, aber was wäre, wenn einmal der Strom ausfallen sollte?“, fragt Röring.mic

Fest zum 300-jährigen Bestehen

Seit 300 Jahren existiert die katholische Kirche St. Alexander und Brüder in Krebeck. Der Baubeginn des Gotteshauses soll am Sonntag. 16. Oktober, gefeiert werden. Das Festprogramm sieht für 13 Uhr einen feierlichen Gottesdienst mit Bischof Norbert Trelle und Domkapitular i.R. Wolfgang Damm vor. Ab 14.30 Uhr soll es eine Kaffeetafel im Pfarrheim geben. Geplant sei zudem, so die Ankündigung des Ortskirchenrates, eine Festschrift zum Jubiläum zu präsentieren. Außerdem sollen Führungen durch die Pfarrkirche und in den Turm angeboten werden. Den Abschluss bildet um,17.30 Uhr ein Konzert an der Orgel, mitgestaltet vom Gesangverein St. Joseph.

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