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Eichsfelder Rübenmädchen

Erzählcafé Bilshausen über Entwicklungen der Landwirtschaft Eichsfelder Rübenmädchen

Mehr Büro- als Handarbeit: Über die Entwicklungen und Abläufe in der Landwirtschaft in den vergangenen  70 Jahren haben sich am Mittwoch mehr als 80 Bilshäuser und Gäste beim Erzählcafé im Haus St. Martinus unterhalten. Sigrid Jacobi moderierte das Gespräch zum Thema „Vom Milchbock zu Telematics-Control“.

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Zeitreise mit Moderatorin Sigrid Jacobi.

Quelle: Richter

Bilshausen. „Der Mähdrescher kommuniziert mit dem Büro“, sagte Henrik Trümper, „welche Felder und wie viel gerade gemacht wurde. Einfach per GPS.“ Ein Raunen ging da durch die Reihen der zumeist älteren Besucher des Erzählcafés, wurden doch bei ihnen Erinnerungen an die eigene beschwerliche Arbeit auf den Feldern wach. „War früher alles besser?“, fragte Sigrid Jacobi rhetorisch. Heute erledige ein Landwirt mehr „Bürokram“.

Von eichsfeldischen „Rübenmädchen“  wusste Rudolph Engelhardt zu berichten. Mit Rübenhebern ausgestattet seien sie auf die Felder gezogen, um die Runkelrüben aus den Böden zu hieven. Aus einem Korn der Pflanze wuchsen oft zwei oder drei Rüben, die umständlich verzogen werden mussten – heute hingegen, erklärte Trümper, würden Monosamen verwendet: Ein Samen, eine Pflanze. Der Arbeitsschritt des Pikierens entfalle so.

Sieben oder acht landwirtschaftliche Betriebe gebe es nur noch in Bilshausen, drei davon mit Kühen, keiner mit Schweinen, berichtete der 1989 geborene „Jungbauer“. Als Rudolph Engelhardt in den 1950er-Jahren mit seiner Lehre begann, seien dies noch gut dreimal so viele gewesen. Nach dem Krieg habe fast jeder einen Morgen Land beackert. Vier Morgen entsprachen einem Hektar. Bearbeiteten Bauern vor 70 Jahren noch zehn oder 20 Hektar, so setze ein moderner Wirtschaftsbetrieb mindestens 150 Hektar voraus:

Mehr Fläche, mehr Futter, mehr Milch bei den Kühen. Diese bekämen heute eine Roboterrundumversorgung, erzählte Trümper. Futter und Wasser nach Bedarf, eine Maschine melkt und gibt hinterher Leckerlis. Noch in den 1950-er Jahren kam ein Milchwagen, hielt an Milchböcken, auf denen die Kannen standen, brachte Käse und Quark. „Wer den größten Misthaufen vor der Tür hatte, war der reichste Bauer“, so Gerhard Engelhardt. Heute muss der Misthaufen abgedeckt werden. gm

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