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Mehr Raum für die Rhume

Flusslauf wird verlegt Mehr Raum für die Rhume

Eine schlammige Großbaustelle ist in der Feldflur zwischen Gieboldehausen und Bilshausen entstanden. Spezialgeräte sind im Einsatz, um zwei Altarme der Rhume auszubaggern und wieder an den Flusslauf anzuschließen. Das ambitionierte Naturschutzprojekt soll der Rhume mehr Raum verschaffen.

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Mit einem Schwimmbagger werden die Altarme vor dem Wiederanschluss entschlammt.

Quelle: Mahnkopf

Gieboldehausen/Bilshausen. Die Erdarbeiten für die Verlegung der Rhume samt zwischenzeitlicher Verrohrung und Furt sind mit hohem Aufwand verbunden, der Untergrund ist schwierig. Die Erdtransporte konnten erst am Dienstag nach einigen Tagen Pause wegen Regens wieder aufgenommen werden. „Wenn es hier regnet, wird der Boden zur Schmierseife“, sagt Projektleiter Torsten Knoblauch vom federführenden Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft (NLWKN) und spricht von „fließfähigem Boden“. 90 Prozent der 650.000 Euro Investitionskosten finanziere die EU aus dem Entwicklungsprogramm für Fließgewässer. Für das „Terraforming“ auf 20 Hektar Projektfläche werden gewaltige Erdmassen bewegt, Durchstiche geschaffen und die zu modrigen Teichen verkommenen beiden Alt­arme nördlich und südlich der Rhume ausgebaggert. Dafür wird auch ein Schwimmbagger mit Pontons und Ketten eingesetzt, der nicht einsinken kann. „Allein aus dem sogenannten Baronschen Teich werden 2.000 Kubikmeter ausgehoben, der nasse Schlamm zum Trocknen zwischengelagert“, sagt Knoblauch. Ausgeführt werden die Arbeiten von der Firma Mittelweser-Tiefbau, die bereits die Sohlgleite am Wehr in Lindau angelegt hat, für die Transporte und den Schwimmbagger werden Subunternehmen eingesetzt.

Rund ein Kilometer neuer Rhume­lauf werde ausgebaggert, informiert Knochlauch. Da durch die Verlegung ein Teil des alten Laufes entfalle, gewinne die Rhume rund 300 Meter Länge hinzu. Der Flußlauf, der in den 1930er-Jahren vom Reichsarbeitsdienst begradigt wurde, soll wieder mäandrieren können, punktuelle Initialanpflanzungen sich zu einem Auwald entwickeln. Dafür werden nach Abschluss der Erdarbeiten vor allem Schwarzerlen, aber auch verschiedene Weidenarten und Stieleichen gepflanzt, unter Wasser Totholz und Kiesbänke eingebaut. Natürliche Prozesse wie Anlandungen und Ausspülungen sind gewollt. Mehr als 90 Prozent der Flächen seien bereits in Landesbesitz gewesen, berichtet Knoblauch, der Rest von Landwirten gekauft worden - überwiegend Wegeflächen.

Die gütliche Einigung mit der Behörde bestätigt Hermann-Joseph Engelhardt aus Bilshausen. Der Vorsitzende der zu Hattorf gehörenden Feldmarkinteressenschaft Roitzhausen berichtet von Biber- und Fischottersichtungen, auch eine Storchen-Nisthilfe sei angedacht. Weitere Teile des Projektareals liegen in den Gemarkungen Gieboldehausen und Bilshausen. Als Nebeneffekt der Rhumeverlegung wird die Fließgeschwindigkeit verringert. Simulationen mit hydraulischen Modellen haben keine Verschlechterung der viel diskutierten Hochwassersituation ergeben.

Tempolimit und Deponie-Renaturierung

Knapp 20.000 Kubikmeter Boden müssen aus der Rhumeaue abtransportiert werden. Ein Teil werde an Landwirte abgegeben, rund 14.000 Kubikmeter zur Abdeckung der ehemaligen Deponie Elbingen verwendet, die anschließend bepflanzt werden soll, sagt Knoblauch. Auf der Bundesstraße zwischen Gieboldehausen und Bilshausen wurde im Bereich der Baustellenzufahrt Tempo 50 verhängt. Die Erdarbeiten sollen im Herbst abgeschlossen werden. Der den Bahndammradweg kreuzende Weg zur Baustelle soll anschließend ebenso wie die Schlinggrabenbrücke erneuert werden.

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