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„Ich bin doch gar kein Gangsta-Rapper!“

Rapper Flowin Immo spielt improvisiertes Konzert „Ich bin doch gar kein Gangsta-Rapper!“

Ey jo, ich bin Flowin Immo, ah yes ...“, rappt Flowin Immo - „wir sind die KGS!“, ergänzen die Schüler der KGS Gieboldehausen. Der Rapper, der seit den 90er-Jahren Hip-Hop macht und unter anderem mit Ferris MC (heute Mitglied der Band Deichkind) in einer Band war, gab ein Konzert in der Schule.

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Rapper Flowin Immo improvisiert Songs vor den Schülern.

Quelle: Oliver Thiele

Gieboldehausen. Doch einfach zugucken und der Musik lauschen war für die Siebt- und Neuntklässler nicht angesagt: Gleich zu Beginn sagt Immo - wie der Rapper sich kurz nennt -, dass er alle Songs improvisieren werde. „Die Themen gebt ihr vor“, sagt er und fordert Schlagwörter ein.

Auf die ausbleibende Antwort der Schüler meint er: „Seh ich so bedrohlich aus? Ich bin doch gar kein Gangsta-Rapper!“ Zwar steht auf seiner pinken Mütze der Schriftzug „Peng“, doch statt einem undurchdringlichen Gangsta-Blick á la 50 Cent zeigt er lieber seine etwas zu weit auseinander stehenden Zähne und hat kein Problem damit, über sich selbst zu lachen. So gibt er auch zu: „Ich habe mit dem Freestylen angefangen, weil ich meine Texte vergessen habe.“ Improvisation brauche Vertrauen in sich selbst, weil man nicht wisse, was man sagen werde.

Aus den Wörtern der Schüler rappt er kleine, verrückte Songs: vom drogenabhängigen Zombie-Einhorn auf Schnarchgeräusche und psychedelische Beats bis zum Rap über das Mut-Antrinken mit Tomatensaft auf Dubstep-Beats. Seine „Sooper-Looper-Maschine“ hilft ihm dabei, spontan mit seiner Stimme und den im Raum stehenden Instrumenten wie einem Schellenring Beats aufzunehmen, die weiterlaufen, während er rappt.

Während die Schüler zu Anfang noch nicht von ihren Stühlen aufstehen wollen („Stellt euch vor den Stuhl, das ist cool“), kann Immo sie nach einer Weile doch noch aus der Reserve locken. Sie schlagen nicht nur Wörter, sondern auch Musikrichtungen vor. Eine Mädchengruppe fordert Heavy Metal, darunter auch Siebtklässlerin Lisa Sophie Gastorf. Ihren Wunsch erfüllt Immo im KGS-Song - mit „verzerrter Mundgitarre“, wie er scherzt. „Ich finde es gut, dass wir uns geöffnet haben“, sagt Lisa Sophie. Drei Schüler zeigten sogar einen Dancemove, den sie „dabben“ nennen - darunter Siebtklässler Niklas Fuhrmann, der von Anfang an jeden Vers mitruft. „Das war sehr gut“, sagt Niklas. Er höre meist Rap, gern Kontra K. Am witzigsten habe er den „KGS“-Song gefunden, als alle Schüler „Wir sind die KGS!“ riefen.

„Es ist eine schöne Tätigkeit, anderen zu helfen, ihren Mund aufzukriegen“, findet Flowin Immo, der mit echtem Namen Immo Wischhusen heißt. Wenn die Schüler sich öffnen, sei das eine andere Belohnung für ihn als kommerzieller Erfolg im Musikgeschäft. So gibt Immo regelmäßig Workshops: ob das nun in Schulen, im Musem, im Jugendknast oder einer Pfadfindergruppe sei. Nach dem Auftritt in Gieboldehausen ging es für ihn nach Göttingen in das Literarische Zentrum, das auch den Auftritt in Gieboldehausen organisiert hatte. Von dem hatte sich Elke Gloth, Deutschlehrerin an der KGS, einen „anderen Zugang zu Lyrik“ versprochen. Wortspiele lieferte Immo den Schülern jedenfalls genug - und eine Menge Spaß dazu.

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