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„Keine Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit“

Martinsempfang „Keine Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit“

Erstmals ist beim Martinsempfang in der katholischen Bildungsstätte das Buffet dem Vortrag vorangegangen. Der war nicht einfach verdaulich. Sozialphilosophisch und theologisch, aber auch pragmatisch umkreiste Diözesan-Caritasdirektor Hans-Jürgen Marcus die Begriffe Barmherzigkeit und Gerechtigkeit.

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Quelle: akw

Germershausen. Neu war nicht nur die Umkehrung von geistiger und leiblicher Nahrung. „Vier Plätze für Niedersachsen, vier Plätze für Thüringer“ forderten Tischkarten die rund 100 Vertreter des öffentlichen Lebens zur Durchmischung auf. Das sorgte für viele lebendige Gespräche.

Für Stoff zum Nachdenken sorgte Marcus, der nach 15 Jahren als Caritas-Direktor zum Jahreswechsel auf Coaching für kirchliche Führungskräfte umsattelt, nicht nur mit dem Samaritergleichnis. Marcus schlug einen Bogen vom Fußball-Sommermärchen 2006 über das „Refugees welcome“-Sommermärchen 2015 bis zum Kurswechsel. Es sei befremdlich, dass es seitdem weder eine wirkliche Debatte über Flüchtlingsschicksale noch eine Ausweitung legaler Ein- und Zuwanderungsmöglichkeiten gebe.

In der Flüchtlingshilfe sieht Marcus eine Chance für einen gesellschaftlichen Lernprozess und Neubesinnung der Kirche. „Mir ist eine verbeulte Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist“ zitierte er Papst Franziskus.

Das Gebot der Barmherzigkeit zu befolgen, bedeute nicht, eine unkritische Perspektive einzunehmen. Christliche Nächstenliebe habe sich heute im gesellschaftspolitischen Engagement zu bewähren: „Die Gefahr jeder Barmherzigkeit liegt in der unkritischen und unpolitischen Hinwendung zu den Hilfebedürftigen.“  Niemanden dürfe man aus Barmherzigkeit geben, was ihm aus Gerechtigkeitsgründen zustehe. Eine gerechtigkeitsblinde Barmherzigkeit genüge nicht den Ansprüchen christlicher Caritas.

Diskussionsbedarf sieht Marcus auch bei der Frage nach einem angemessenen und glaubwürdigen Lebensstil für die Kirche und ihre Caritas, plädierte für eine konsequente Verweltlichung  und nannte Anwaltschaftlichkeit und Teilhabe als zentrale Punkte:  „Im Aufsichtsrat  von Krankenhäusern diskutiere ich oft genug über üppige Gehaltserhöhungen und sehr repräsentative Dienstwagen,, während ein tolles Projekt in der Flüchtlingssozialarbeit an 5000 Euro Eigenmitteln zu scheitern droht.“

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