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Tabak für die Nachwelt

Tabakgremium erinnert an Anbau Tabak für die Nachwelt

Tabak aus dem Eichsfeld, berühmt und gefragt - so hätte es heißen können, hätte sich das Blatt 1955 nicht gewendet. So ist es nun am Tabakgremium des Obernfelder Heimatvereins, das Erbe der Rauchwaren am Leben zu erhalten. Jedes Jahr ernten die Mitglieder deshalb den Tabak im Ort.

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Alois Ehbrecht mit einer der in Obernfeld angepflanzten Tabakpflanzen.

Quelle: Lieske

Obernfeld. „Richtig in Gang gekommen ist der Handel erst nach dem Krieg“, erzählt Alois Ehbrecht vom Tabakgremium. Etwa 100 Jahre wurde Tabak im Eichsfeld angebaut, bis der großflächige Anbau 1955 ein jähes Ende nahm. Davor wurde auch die Verarbeitung immer professioneller. „Zunächst wurde Tabak auf Leinen vor dem Haus getrocknet“, sagt Ehbrecht. Als der Anbau wuchs, wurden große Schuppen für die Trocknung der Blätter gebaut.

„Von der ersten Ernte konnte schon der Schuppen bezahlt werden“, so Ehbrecht. 55 dieser Schuppen habe es zur Hochzeit des Anbaus im Eichsfeld gegeben. Hinter dem hohen Gewinn, der erzielt werden konnte, steckte aber auch ein großer Aufwand. Der Tabakanbau lief meist neben der übrigen Landwirtschaft. Oft habe die Familie bis spät in die Nacht arbeiten müssen, berichtet Ehbrecht.

1955 jedoch vernichtete Blauschimmel nahezu die gesamte Ernte und alle Versuche, erneut Tabak anzupflanzen schlugen fehl, immer wieder kehrte auch der Schimmelpilz zurück. So verloren die Bauern das Interesse und der Anbau im Eichsfeld kam zum Erliegen.

Legal wäre der Tabakanbau noch heute: „Es ist nicht verboten, aber meldepflichtig“, sagt Ehbrecht. Die Grenze liege bei 100 Pflanzen, alles darüber müsse angemeldet werden. So finden sich auch in Obernfeld einige Sorten, zum Beispiel an der Kirche, direkt neben dem Heimatmuseum. Die ursprüngliche Sorte „Virginia“, die in Obernfeld und Umgebung meist geerntet wurde und wegen ihres schwachen Aromas als so genannter Basistabak verwendet wurde, sei das aber nicht mehr. „Es sind Kreuzungen aus unterschiedlichen Sorten“, stellt Ehbrecht klar.

Gepflegt und gehegt werden die Pflanzen von den Mitgliedern des Tabakgremiums, im Übrigen alle Nichtraucher, wie Ehbrecht schmunzelnd betont. Jedes Jahr zur Erntezeit im August werden Blätter in alter Tradition von den Pflanzen gebrochen und zum Trocknen aufgehängt. Sie dienen dann als Anschauungsobjekt im Heimatmuseum und zur Illustration der alten Techniken des Tabakanbaus.

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