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Sozialpädagogen für Grundschulen

Reuter: „Probleme sind auf dem Land angekommen“ Sozialpädagogen für Grundschulen

Seit Schuljahresbeginn bestückt der Landkreis Göttingen sukzessive Grundschulen mit Sozialpädagogen. Mit einer vollen Stelle ist Leif-Erik Rechenberg an den Schulen in Rhumspringe und Gieboldehausen im Einsatz.

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Quelle: Arne Bänsch

Rhumspringe. Der 39-jährige Göttinger ist der einzige Mann unter den sieben Sozialpädagogen, die der Kreis mit Voll- und Teilzeitstellen eingestellt hat. Federführend ist die kreiseigene Gesellschaft für Arbeit- und Berufsförderung (GAB). Den Begriff Schul-Sozialpädagoge vermeidet Landrat Bernhard Reuter (SPD). Das sei eigentlich Aufgabe des Landes. Für das „einmalige Grundschul-Projekt“ spricht Reuter deshalb lieber von „sozialpädagogischen Maßnahmen“. Und die hält er auch im „noch einigermaßen intakten“ ländlichen Milieu im Eichsfeld für erforderlich: „Die Probleme sind auf dem Land angekommen.“ Katharina Woitschewski, die die von Kindern aus Wollershausen, Rüdershausen, Rhumspringe und Lütgenhausen besuchte Schule leitet, bestätigt das. „Die Strukturen verändern sich, das familiäre Umfeld wird zunehmend problematisch.“

Das auf zwei Jahre befristete Pilotprojekt ist dem Kreis jährlich 320 000 Euro Personalkosten wert, einen geringen Sachkostenanteil steuern die Städte und Gemeinden bei. Es wird von der Göttinger Universität wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Samtgemeindebürgermeisterin Marlies Dornieden (CDU) begrüßt das Projekt ebenso wie Woitschewski und Gieboldehausens Schulleiter Ulrich Haase und spricht von einer Chance für die Grundschulen.

Ausschlaggebend für die Einsatzorte ist der Sozialatlas des Kreises, in dem die Aufwendungen für Transferleistungen, Jugend- und Sozialhilfe vermerkt sind. An der Duderstädter Janusz-Korczak-Schule ist Regina Dehmel mit einer Dreiviertelstelle tätig, in Mingerode Sine Meinig-Glowatz mit einer Viertelstelle. Weitere Einsatzorte im Kreis sind Adelebsen, Hann. Münden, Rosdorf und Dransfeld.

„Wir geben viel Geld aus für bittere und teure Maßnahmen, wenn es Probleme gibt“, sagt Reuter: „Besser ist es, frühzeitig einzuschreiten, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist.“ Perspektivisch nennt Reuter auch die Flüchtlingssituation als Grund für die Berücksichtigung der Samtgemeinde Gieboldehausen. Zurzeit besuchen nur zwei Flüchtlingskinder aus einer Großfamilie aus Rüdershausen die Rhumspringer Schule. Das wird sich ändern, wenn ab September nach und nach bis maximal 200 Geflüchtete die Unterkunft des Kreises in Wollershausen beziehen. In Rhumspringe sind ausreichend Schulräume vorhanden und Klassenteilungen möglich. Auch mit Blick auf den geplanten Kindergarten-Anbau betrachtet Reuter die Schule als Ort mit Perspektive und ist von dem transparenten und modernen Gebäude angetan: „Nur das Lehrerzimmer ist sehr klein.“ ku

Einzelfallbetreuung und soziale Projekte

Niedrigschwelliges Angebot: Bevor Beratungsstellen oder das Jugendamt eingeschaltet werden müssen, sollen die Schul-Sozialpädagogen zum Tragen kommen. Zu den Aufgabenbereichen von Leif-Erik Rechenberg gehören Gewaltprävention, Integration und soziale Projekte. An der Rhumspringer Schule hat er eine Arbeitsgemeinschaft für darstellendes Spiel etabliert, montags und mittwochs bietet er Sprechstunden für Schüler und Eltern an, will aber auch ins häusliche Umfeld gehen. Einzelfallbetreuung gehört ebenso zu seinen Zielen wie Projekte im Klassenverband, Persönlichkeitsstärkung und Steigerung des Selbstwertgefühls bei den Schülern.

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