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Sinti-Wallfahrt lebt wieder auf

Germershausen Sinti-Wallfahrt lebt wieder auf

Sieben Sinti aus Köln haben in diesem Jahr den Weg nach Germershausen gefunden. Dort fand nach einer Unterbrechung erneut eine Sinti-Wallfahrt statt. „Wir wollen die Tradition nicht abreißen lassen“, erklärt Pfarrer Jan Opiéla, der sich im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz von Köln aus um die Volksgruppe kümmert.

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Wieder am Aufleben: die Sinti-Wallfahrt.

Quelle: hs

Germershausen. Der Geistliche traf sich bereits ein paar Tage zuvor mit den Sintibeauftragten der Bistürmer Aachen, München und Trier in der Bildungsstätte St. Martin. „120 000 Sinti gibt es in Deutschland“, erzählt er. Anders als die Roma lebten die Sinti bereits seit Jahrhunderten im Land.

„Armut ist ein Problem der Menschen“

„Armut ist ein Problem der Menschen“, sagt Diakon Ivica Viskovic, der sich in der Diözese München um die Volksgruppe kümmert. Viele lebten von Hartz IV. Manche hätten Schwierigkeiten, sich ihr Geld einzuteilen. Zur Monatsmitte sei das Konto leer. In seiner Gemeinde nutzten sie dann die Armenspeisung.

Sieben Sinti aus Köln haben in diesem Jahr den Weg nach Germershausen gefunden. Dort fand nach einer Unterbrechung erneut eine Sinti-Wallfahrt statt. „Wir wollen die Tradition nicht abreißen lassen“, erklärt Pfarrer Jan Opiéla, der sich im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz von Köln aus um die Volksgruppe kümmert.

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„Die Kinder fehlen oft in der Schule“, berichtet Felicitas Theile, die Bildungsreferentin in Opiélas Dienststelle. Die Eltern räumten dem Schulbesuch zum Teil keine hohe Bedeutung ein. Sie wollten die Kinder lieber bei sich haben, insbesondere bei Krankheitsfällen in der Familie. Die Mädchen sollten einen Haushalt führen können, die Jungen dem Vater, etwa beim Schrottsammeln, helfen.

Marienfrömmigkeit ist der Volksgruppe wichtig

„Viele katholische Sinti haben sich in den vergangenen Jahren Pfingstkirchen zugewandt“, erzählt Opiéla. Dort werde die Marienfrömmigkeit, die der Volksgruppe eigentlich wichtig sei, abgelehnt. Sie stehe daher im Mittelpunkt der Germershäuser Wallfahrt, die Pfarrer Wolfgang Patzelt 2009 initiiert habe.

„Es ist wunderschön hier“, findet Pilgerin Luhwana Mettbach. Das Gras sei erstaunlich weich, meint sie, streift die Schuhe ab und geht barfuß über die Wallfahrtswiese. Die Kölnerin ist das erste Mal im Eichsfeld. Aus der Domstadt sind zudem die Sinti-Musiker Markus Reinhardt (Geige) und Janko Wiegand (Gitarre) angereist, die den Kreuzweg am Sonnabend und das Wallfahrtsamt am Sonntag musikalisch mitgestalten.

„Nicht überall werden wir so offen und herzlich empfangen“, sagt Pfarrer Opiéla während des Begegnungsabend am Sonnabend. 40 Menschen sitzen im Zelt an Biertischen. Der Geistliche grillt Würstchen, Putenbrust und den bei Sintis beliebten Bauchspeck. Auch Bürgermeister Reinhard Scharf (CDU) sitzt in der Runde. Das freut Opiéla. In anderen Städten gebe es „Riesenprobleme“, wenn sich Sinti dort versammeln wollten, bedauert er.

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