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Tannenbaum und Geschenke neben Feldbetten

Wollershausen Tannenbaum und Geschenke neben Feldbetten

Gutscheine und Geschenke aus einer Spendenaktion des Rates der Samtgemeinde Gieboldehausen mit Unterstützung des Edeka-Marktes sollten den Flüchtlingen in der Erstaufnahmeeinrichtung Wollershausen zu Weihnachten eine Freude zu machen. Wie groß diese ausfiel, hat sich an Heiligabend gezeigt.

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Wollershausen. Statt „Integrationskurs“,  „Deutsch“ oder „Fußball“ ist auf dem Wochenplan in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Turnhalle am Schloss Wollershausen für Heiligabend, 19 Uhr, „Weihnachtsmann“ vermerkt. Nur wenige Menschen befinden sich in den mit Zaunelementen abgeteilten Schlafbereichen, in denen sich Feldbett an Feldbett reiht. Einige junge Männer stehen an der Theke, an der das Abendessen ausgegeben wird. Ein einsames Rentier ist dort der einzige Hinweis darauf, dass an diesem Abend Weihnachten gefeiert wird.

Foto: Thiele

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Im Essens- und Gemeinschaftsbereich, in dem sich Tische und Stühle eng aneinandergestellt befinden, verbreitet ein Tannenbaum Weihnachtsstimmung. Ganz traditionell, mit roten Kugeln, haben ihn die Flüchtlinge gemeinsam mit Ehrenamtlichen bereits vor einigen Tagen geschmückt. Das Lebkuchenhaus, das im Anschluss an den Weihnachtsmarkt auf dem Areal Bahnhof für die Flüchtlingshilfe gespendet worden war, ist schon beinahe abgeknabbert.

 

Bis sich der Saal füllt – offenbar hatten viele der derzeit 54 in Wollershausen untergebrachten Flüchtlinge den Gottesdienst in der Kirche besucht – vergehen einige Minuten. Mitarbeiter der Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung Südniedersachsen (GAB), Helfer des Deutschen Roten Kreuzes, Dolmetscher und Kräfte des Sicherheitsdienstes sind beinahe unter sich, als die ersten Männer und Frauen, Mädchen und Jungen eintreffen. „Frohe Weihnachten“ wünschen sie sich gegenseitig – auf Deutsch.

 

Schließlich versammeln sich alle vor dem Weihnachtsbaum. „Weihnachtsmann, wo bist Du?“, schallt eine Frauenstimme aus der Menge. Dann setzt lautstark ein Chor ein: „Weihnachtsmann, Weihnachtsmann“, feuern die Flüchtlinge den Rauschebart an, als dieser den Raum betritt. Dietmar Beer aus Obergebra ist in die Rolle geschlüpft – auf die Bitte seines Sohns Michael hin, der beim DRK tätig ist, verbringt er den Heiligen Abend in der Erstaufnahmeeinrichtung.

 

Kaum ist er in der Nähe des Baumes angelangt, stürmen die Kinder auf ihn zu. In ohrenbetäubendem Lärm begrüßen sie ihn überschwänglich, immer wieder rufen Menschen „Weihnachtsmann“ und „One, two, three, Schokolade“.

 

Jedes der Kinder erhält einen Beutel mit kleinen Geschenken. Die Nachbarschaftshilfe der Samtgemeinde, die gemeinsam mit der GAB die Spendenaktion koordiniert hatte, hatte an jedes Kind gedacht. Den ganz kleinen Kindern, die im Getümmel nicht auf sich aufmerksam machen können, helfen Erwachsene, an eine der Tragetaschen zu gelangen. Einige Jungen und Mädchen hängen sie sich um den Hals und bleiben wie angewurzelt stehen, um das Treiben weiter zu beobachten.

 

Als die Erwachsenen an der Reihe sind, um Gutscheine für den Supermarkt in Empfang zu nehmen, braust Partystimmung auf: Beinahe jeder will ein Selfie mit Santa, immer wieder stellen sich die Flüchtlinge um den Rauschebart, um Gruppenbilder zu schießen, lachen aufgekratzt und reden durcheinander.

 

Als alle Geschenke verteilt sind, stimmen die Flüchtlinge „We wish you a merry Christmas“ an – als Dank für den Besuch des Weihnachtsmann, der ebenfalls ein Präsent erhält. „Es ist so schön, Weihnachten hier zu feiern“, sagt Milan Norsi, noch immer ganz atemlos, ein Dolmetscher übersetzt. Für Norsi ist es nicht nur ein besonderes Fest, weil er es zum ersten Mal in Deutschland feiert. Der 33-Jährige will sich demnächst in Wollershausen taufen lassen. Immer wieder sagt er das deutsche Wort „Taufe“ und wann es so weit ist. „Ich bin so dankbar“, fügt er hinzu – und lässt offen, welches der Geschenke er meint.

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