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Mehr Nüchterheit im Umgang mit Wölfen

Biologe fordert begrenzte Bejagung des Raubtiers Mehr Nüchterheit im Umgang mit Wölfen

Menschen neigen dazu, Wölfe zu mystifizieren oder zu verteufeln, hat der diplomierte Wildbiologe Eckhard Wiesenthal aus Gleichen beobachtet. Der Wolfsbeauftragte der Jägerschaft Duderstadt warb während einer Veranstaltung in der Bremker Kirchengemeinde für einen nüchternen Umgang mit dem Raubtier.

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Zwei Wölfe im Wisentgehege in Springe.foto: DPA

Quelle: Julian Stratenschulte

Bremke. Zu einer verklärten Sicht auf Wölfe neigen nach Beobachtung von Wiesenthal Städter. Das habe auch damit zu tun, dass der Wolf der Urahn des Hundes sei, des besten Freundes des Menschen. Immer wieder riefen Hundehalter bei Tierparks an und bäten darum, ihren Vierbeiner mit einem Wolf kreuzen zu dürfen, berichtete der Biologe, der Präsident des Deutschen Wildgehege-Verbands ist. Solche Hybriden seien kaum zu zähmen. Wolfsfreunde lehnten oft jede Bejagung des Raubtiers ab.

Auf der anderen Seite, so Wiesenthal, forderten viele Menschen im ländlichen Raum die Ausrottung der Wölfe. Da gebe es die Schäfer, denen der Beutegreifer Tiere reiße. Um Schadenersatz zu bekommen, müssten sie einen „großen Papierkrieg“ führen. Es stimme die Schäfer auch nicht versöhnlich, dass sie Zuschüsse für Maßnahmen zum Schutz ihrer Tiere erhielten, wie höhere, mit Strom gesicherte Zäune.

„Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs wandern Wölfe aus Polen und Tschechien zu“, berichtete der Biologe. Mit der zunehmenden Zahl der Raubtiere, derzeit gebe es in Deutschland 250 Exemplare, steige die Zahl besorgter Bürger. Da Wölfe in der Bundesrepublik nicht bejagt werden dürften, zeigten die Tiere keine Angst. Sie näherten sich menschlichen Siedlungen. Das führe dazu, dass sich einige Reiter nicht mehr trauten, übers Land zu reiten. Eltern fürchteten um ihre Kinder.

„Bei den Jägern hat es in den vergangenen Jahren ein Umdenken gegeben“, sagte Wiesenthal. Sie hätten festgestellt, dass Rehe und Wildschweine in Wolfsrevieren nicht verschwänden. Die Beutetiere bildeten vielmehr festere Gruppen, was den Jagderfolg der Raubtiere mindere. Die Jäger in Sachsen, Deutschlands wolfreichster Region, machten genauso viel Strecke wie vorher. Jäger schätzten heute mehr, dass Wölfe vor allem kranke Wildtiere fräßen, was Seuchen eindämme.

„Wenn Schäfer allerdings zu große Verluste erleiden oder Wölfe gegenüber Menschen übergriffig werden, muss es möglich sein, die Wolfspopulation auch wieder einzudämmen“, forderte Wiesenthal, der selbst Leineschafe züchtet.

Zuwanderung über das grüne Band

„Südniedersachsen ist für Wölfe wahrscheinlich nicht so attraktiv“, vermutet Eckhard Wiesenthal, Wolfsbeauftragter der Jägerschaft Duderstadt. Dazu gebe es in der Region zu wenig Wild, insbesondere kein Rotwild. Die in der Region heimischen Wildschweine seien den Wölfen zu wehrhaft. Möglich sei eine Zuwanderung über das so genannte grüne Band, den früheren Grenzstreifen. Dieses leite die Tiere von ihren Lebensräumen in Polen und Tschechien bis nach Schleswig-Holstein.
„2002 durchquerte eine Wölfin, die aus einem Wildgehege im sächsischen Klingenthal ausgebrochen ist, unsere Region“, berichtet Wiesenthal. Ein Jäger habe Puck, wie das Tier genannt worden sei, später bei Hildesheim erlegt. Er habe den Wolf mit einem streunenden Hund verwechselt. 2015 sei ein Wolf in Breitenberg gesichtet worden, das sei aber nicht endgültig bestätigt worden.

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