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Züchten, aber auch töten

Wiesenthal Züchten, aber auch töten

„Städter lieben Wildparks, weil sie dort Natur erleben können“, berichtet Eckhard Wiesenthal (55), Präsident des Deutschen Wildgehe-Verbands. Der Zulauf sei groß, so der Biologe aus Sennickerode. Gleichzeitig machten Tierrechtler, in der Regel ebenfalls Städter, gegen die Haltung von Tieren mobil.

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Rehe im Wildgehege.

Quelle: r

Sennickerode. „Viele radikale Tierschützer verklären die Natur“, meint Wiesenthal. Sie würden menschliche Werte auf die Tierwelt übertragen und so zu Forderungen gelangen, die kaum etwas mit natürlichen Abläufen zu tun hätten. Um nötiges Fachwissen zu vermitteln, zertifiziere der Verband Parks als „Tiergärten mit Bildungssiegel“. Besucher lernten dort spielerisch biologische Zusammenhänge kennen. Die Inhalte seien mit Naturschutzverbänden wie dem Nabu oder dem BUND erarbeitet worden.

Keine Chance in freier Wildbahn

„Einige Tierrechtler würden die Tiere in Wildparks zum Beispiel am liebsten befreien“, berichtet der Präsident. Das würde aber zu Problemen führen. In Deutschland gebe es etwa viel Rotwild. In Freiheit würden die Parktiere daher überall vertrieben und nach einem Spießrutenlauf verenden.

„Proteste gibt es auch bei Nachzuchten, weil am Ende nicht für alle Tiere Platz ist“, sagt Wiesenthal. Einige müssten geschlachtet werden. Auch in der Natur überlebe nur ein Bruchteil der Jungtiere, bei Wölfen etwa nur jedes fünfte Tier. In der Öffentlichkeit sei das aber schwer vermittelbar. Immer mehr Zoos verzichteten daher ganz auf Nachzuchten.

Berechtigte Kritik

„Es gibt durchaus berechtigte Kritik an den Haltungsbedingungen von Wildtieren in Gefangenschaft“, betont Eckhard Wiesenthal, der Präsident des Deutschen Wildgehege-Verbands. Würden sie in zu kleinen Gehegen gehalten, die keine Abwechslung böten, entwickelten sie stereotype Verhaltensweisen, liefen etwa den ganzen Tag auf und ab. Da bestehe Handlungsbedarf.

„Bei Raubtieren kann man zum Beispiel das Futter auf einen kleinen Wagen montieren und auf Schienen durch einen hohlen Stamm jagen oder einen Baum hoch schießen lassen“, berichtet der Präsident. Das fänden Luchse großartig. Ein Wolfsgehege lasse sich mit einem Wall, einem kleinen Dickicht und einem Teich abwechslungsreich gestalten. Aufregend sei es für Tiere, wenn sie bestimmte Bereiche im Park nacheinander nutzen dürften: etwa erst eine Schafherde, dann eine Rotte Wildschweine und schließlich ein Wolfsrudel. mic

Dadurch würden die Bestände jedoch überaltern. Gefährdete Arten ließen sich nicht mehr vor dem Aussterben schützen. Ohne die Tierparks wäre es in Deutschland zum Beispiel nicht möglich gewesen, Uhus, Schwarzstörche und Auerhähne auszuwildern und so zu erhalten.

Tod birgt auch Leben

„Kein Verständnis haben die meisten Städter, wenn wir lebende Tiere verfüttern“, berichtet der Biologe. Was in der Natur normal sei, gelte Menschen als grausam. „Die arme Maus“, heiße es etwa, wenn sie von einer Schlange gefressen werde. Er sage dann: „Die arme Schlange. Wenn sie keine Mäuse bekommt, muss sie verhungern.“

Wildbiologe Wiesenthal hat in verschiedenen Zoos und Wildgehegen in Leitungspositionen gearbeitet. 1999 machte er sich gemeinsam mit seinem Bruder, einem Fachplaner in Sennickerode in Gleichen, selbstständig. Sie beraten Tiergärten.

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