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Kritik nach Urteil über Wohngruppe

Göttinger Kreisverwaltung Kritik nach Urteil über Wohngruppe

Das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg, nachdem eine Einrichtung zur Betreuung von Kindern in einem reinen Wohngebiet in Reinhausen unzulässig ist, stößt in der Region auf Widerspruch. Und die Göttinger Kreisverwaltung weist den Vorwurf zurück, die Kläger vier Jahre lang hängen gelassen zu haben.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Reinhausen. Am Mittwoch hatte das Gericht erklärt, die Wohngruppe des Psychagogischen Kinderheims für traumatisierte Mädchen in dem Reinhäuser Wohngebiet sei nach Bauunterhaltungsrecht unzulässig und damit gegen eine Entscheidung des Landkreises Göttingen entschieden. Auslöser war die vorherige Klage eines Nachbarn. Die erste Klage, erklärt Verwaltungssprecher Ulrich Lottmann, habe sich nicht auf die Unzulässigkeit der Einrichtung bezogen, sondern gegen die Verwaltung sei eine Untätigkeitsklage eingereicht worden. Diese Klage sei sowohl vom Verwaltungsgericht wie auch vom Oberverwaltungsgericht zurückgewiesen worden. Daher sei der Vorwurf des „Hängenlassens“ falsch - „sowohl zeitlich als auch inhaltlich“.

Das Urteil stößt bei den Betreibern der Einrichtung und in der Politik auf Unverständnis. „Ich bin entsetzt“, protestierte am Donnerstag Bärbel Diebel-Geries, SPD-Abgeordnete im Ortsrat, im Rat der Gemeinde Gleichen und im Göttinger Kreistag. Wegen der Klage einer Einzelperson stehe die Einrichtung vor dem Aus. Das Urteil befördere eine Gesellschaft, die wenig Solidarität und Mitgefühl mit missbrauchten und benachteiligten Mädchen habe. Die Betroffenen würden aktiv am Dorfleben teilnehmen. Gerade diese Kinder benötigten den besonderen Schutz der Gesellschaft, ergänzte Reinhausens Ortsbürgermeister Marc Hillebrecht (SPD): „Das Urteil stimmt mich sehr traurig.“ In den vier Jahren seit Gründung der Wohngruppe habe es seines Wissens nie Probleme gegeben. Das Psychagogische Kinderheim habe auch die Nachbarn schon im Vorfeld vorbildlich über das Projekt informiert. Er werde sich für den Erhalt der Gruppe einsetzen, so Hillebrecht. Auch Gleichens Gemeindebürgermeister Manfred Kuhlmann (SPD) zeigte sich „ziemlich betroffen“. Die Gemeinde werde jetzt das schriftliche Urteil abwarten, einsehen und dann prüfen, „ob wir etwas machen können, um die Einrichtung zu sichern“. Denkbar wäre nach Tageblatt-Informationen eine Änderung der Baunutzungsverordnung.

Auch das Psychagogische Kinderheim Rittmarshausen als Träger der Wohngruppe hat nicht mit diesem Urteil gerechnet. „Wir nehmen es mit Bedauern zur Kenntnis und wir werden die damit verbundenen Konsequenzen tragen“, sagte die Geschäftsführerin Cornelia Liepe, ohne näher auf diese einzugehen. Zugleich betonte sie, dass es sich bei der Wohngruppe um sechs bis sieben traumatisierte Mädchen im Alter von sechs bis 13 Jahren handele, die aus stark belastete Lebenssituationen kommen - mit sexuellem Missbrauch, Verwahrlosung und anderen Misshandlungen. Die Mädchen seien in keiner Weise verhaltensauffällig. Die Gruppe habe seit ihrer Einrichtung vor vier Jahren ein ausgesprochen gutes Verhältnis zur Nachbarschaft und Dorfgemeinschaft. Gerade dieses familiäre Wohnumfeld sei für die Entwicklung der Mädchen wichtig.

Ulrich Schubert / Matthias Heinzel

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