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Landkreis lehnt fünf Mega-Windräder überraschend ab

Streit um Rotmilane Landkreis lehnt fünf Mega-Windräder überraschend ab

Der Landkreis Göttingen hat einen Bauantrag für fünf Windräder der neuen Mega-Klasse im Westen der Gemeinde Gleichen abgelehnt. Unter anderem sieht er eine Bedrohung für Rotmilane. Der Investor will den Bescheid anfechten und den Landkreis auf drei Millionen Euro Schadensersatz verklagen.

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Quelle: Vetter

Rittmarshausen. Das Ringen um einen Windpark bei Rittmarshausen und Wöllmarshausen zieht sich schon lange hin. Die Gemeinde Gleichen hatte das Areal früh als Vorrangflächen für Windräder festgelegt, inzwischen liegt es aber mitten in einem später ausgewiesenen Vogelschutzgebiet. Eine Bauvoranfrage des Investors lehnte der Landkreis darauf ab, das Unternehmen klagte – und gewann. Vor gut einem Jahr offerierte schließlich die Firma Turbowind als Nachfolger des vorherigen Antragstellers ihre konkreten Pläne: Für etwa 25 Millionen Euro will sie auf der Fläche fünf Windräder aufstellen – jedes 200 Meter hoch. In den Folgemonaten gab es heftige öffentliche Diskussionen. Dorfbewohner forderten größere Abstände zu ihren Häusern – unterstützt vom Gemeinderat. Umweltschützer lehnen die Windräder mit Sorge um die Vogelwelt dort generell ab und drohten mit Klagen. Der Investor wiederum legte Gutachten und Ausgleichspläne vor, um Eingriffe in die Natur möglichst gering zu halten.

Die jetzige Entscheidung des Landkreis kam dennoch überraschend, vieles deutete zunächst auf eine Genehmigung hin. Ihre wesentliche Begründung: Es bestehe ein allgemeines Tötungsrisiko besonders für Rotmilane. Zudem sei ein Windpark hier nicht vereinbar mit naturschutzrechtlichen Bestimmungen und dem nahen Vogelschutzgebiet V19.

Dem Widerspricht Turbowind-Chef Thomas Carstensen. Entscheidend sei ein „konkretes“ Risiko für die Vögel, das aber liege nicht vor. Zudem habe das Unternehmen mögliche Risiken für die Natur berücksichtigt und etliche Ausgleichsmaßnahmen bereits mit dem Landkreis abgestimmt. Darauf sei ihm eine Genehmigung bereits avisiert worden. Der Meinungsumschwung im Endspurt des Verfahrens sei ungewöhnlich und irreführend. Carstensen vermutet dahinter „ein Veto des eigentlich gar nicht zuständigen Umweltministeriums“. Dem Unternehmen sein schon jetzt ein hoher finanzieller Schaden entstanden, weil es nicht mehr von höheren Strom-Einspeisevergütungen im ausgelaufenen Jahr profitieren könne. Platze das Projekt ganz, werde Turbowind vom Kreis Schadensersatz fordern - etwa drei Millionen Euro.

Kreissprecher Ulrich Lottmann weist die Darstellung Carstensens zurück. Es habe zwar Abstimmungsgespräche gegeben, am Ende aber auch Zweifel an einer Genehmigung mit vielen Nebenbestimmungen. Darauf sei der NLWKN als Fachbehörde des Landes eingeschaltet worden. Sie habe die Bedenken des Kreises geteilt und weitere Grundsatzfragen aufgeworfen. Eine Sprecherin des Ministeriums bestätigte gegenüber dem Tageblatt, dass der NLWKN „vor allem für die Vogelart Rotmilan ein signifikantes Tötungsrisiko“ sehe.

Von Ulrich Schubert

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