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„Das ist gelebter Zusammenhalt“

Gemeinsame Einheitsfeier „Das ist gelebter Zusammenhalt“

Mehr Besucher als in den Vorjahren - etwa 380 überwiegend ältere Menschen - haben am Tag der Deutschen Einheit in Siemerode gemeinsam die Wiedervereinigung gefeiert.

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Gemeinsame Einheitsfeier in Siemerode

Quelle: Eichner-Ramm

Siemerode. In den Reden und Gesprächen bei Hymnen und Schlachteessen klang heraus, wie wichtig das Erinnern an die Zeit der Teilung und der Grenzöffnung ist. Die Bürger der Ortschaften Siemerode und Weißenborn tragen mit der nunmehr 28. gemeinsamen Feier am Tag der Deutschen Einheit und dem „Tanz in die Einheit“ am Vorabend dazu bei.

Für viele im Saal des Siemeröder Dorfgemeinschaftshauses ist die Feier am deutschen Nationalfeiertag emotional bewegend. Gerhard Wippermann ist einer von ihnen. Von Anfang an ist er dabei, und jedes Mal wieder erinnert sie den gebürtigen Siemeröder an seine gefährliche Flucht am 22. September 1961 in den Westen. Dort, in Weißenborn, hat er ein neues Zuhause gefunden. Die jungen Leute heute, meint er, wüssten gar nicht mehr, was Teilung, Grenze und Wiedervereinigung bedeuteten. „Es ist klasse, dass das nicht in Vergessenheit gerät“, sagt Wippermann. Die von den „Zaunspechten“ zum nunmehr 28. Mal organisierte Feier am 3. Oktober trage dazu bei.

Bewegender, geschichtsträchtiger Tag

„Das ist gelebter Zusammenhalt“, kommentiert Siemerodes Ortsbürgermeister Harald Beckmann. Auch er ist von Anfang an dabei, wenn die Menschen von hüben wie drüben der früheren innerdeutschen Grenze zusammenkommen. Und das nicht nur zum Feiern am 3. Oktober, betont Beckmann. Auch für ihn sei es aber vor allem an diesem geschichtsträchtigen Tag bewegend, wenn beim „Tanz in die Einheit“ um Mitternacht die Nationalhymne erklinge.

Gerald Fischer aus Heiligenstadt ist zum zweiten Mal bei der Feier zum Tag der Deutschen Einheit dabei. „Es ist gut, dass es diese Tradition gibt“, meint er. Der 52-Jährige war im September 1989 mit seiner Familie und dem damals sieben Monate alten Baby über Ungarn und Österreich nach Bayern geflohen. Ein Jahr später seien sie wieder in die frühere Heimat zurückgekommen berichtet er. Heute pendle er täglich von seinem Wohnort im Osten zur Arbeitsstätte im Westen (in Göttingen) – ganz ohne Grenze.

„Zaunspechte“ aus Ost und West

Hauptorganisator der „Zaunspechte“ ist Peter Nolte. Er sei damals, als Bundeskanzler Helmut Kohl im Radio den 3. Oktober als Tag der Deutschen Einheit verkündete, nach Weißenborn gefahren. Dort stieß Nolte mit seiner Idee einer gemeinsamen Feier auf offene Ohren, die „Zaunspechte“ gründeten sich und organisierten fortan die gemeinsame Feier. Unterschiede zwischen Ost und West würden manchmal größer gemacht, als sie tatsächlich sind, sagte der jüngst wiedergewählte Eichsfelder CDU-Bundestagsabgeordnete Manfred Grund in seinem Grußwort. Dabei seien die Unterschiede zwischen Stadt und Land viel größer, was sich vor allem im ländlich geprägten Grenzgebiet Thüringen-Niedersachsen zeige.

Grenzregion ohne Grenze in den Herzen der Menschen

Es handle sich zwar um eine Grenzregion zwischen zwei Bundesländern, sagte die thüringer Staatssekretärin Babette Winter in ihrem Grußwort. In den Herzen der Menschen von hier gebe es aber keine Grenzen mehr, stellte sie fest. Sie riet den Besuchern der Einheitsfeier, ihre persönlichen Erlebnisse an junge Menschen weiterzutragen. Das trage dazu bei, sagte Winter, dass die erreichten Werte wie etwa die Freiheit und das, was aufgebaut wurde, wertzuschätzen.

Die Feier zum Tag der Deutschen Einheit habe nicht an Bedeutung verloren, betonte der Gleichener Bürgermeister Manfred Kuhlmann. Frieden in Europa sei heute selbstverständlich, sagte Gudrun Glahn, Ortsbürgermeisterin von Weißenborn. Dabei dürfe aber die Vergangenheit nicht vergessen werden. Kaum waren die Nationalhymne sowie Niedersachsen- und Eichsfeld-Lied verklungen, versprachen sich die „Stammgäste“ der Veranstaltung ein Wiedersehen am Tag der Deutschen Einheit 2018 in Siemerode.

Von Britta Eichner-Ramm

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