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Es muss Pferdehack sein

Ostertradition in Groß Lengden: Eierbacken Es muss Pferdehack sein

Eine alte Ostertradition wird in Groß Lengden gepflegt: das sogenannte Eierbacken. Draußen auf den Wiesen oder am Waldrand backen die Männer des Ortes in verschiedenen Gruppen Eier und Pferdehack über dem offenen Feuer.

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Quelle: Heller

Groß Lengden. „Früher“, so erzählt Jens Fette, „wurde praktisch in jeder Wiese gebacken.“ An die 15-20 Weideschuppen, so erinnert er sich, waren vor rund 30 Jahren noch am Ostermontag belegt. Heute sind es nur noch wenige Backfeuer.

Immerhin 13 Männer zählt seine Gruppe, die sich an diesem kalten Ostermontag bei einem Holzwagen am Ortsrand um ein offenes Feuer sammelt. Bunt gemischt, 22 bis 61 Jahre alt. Eine Vereinsangelegenheit ist das hier nicht. Allerdings sind einige bei der Freiwilligen Feuerwehr und den Ortsbrandmeister haben sie auch dabei. Sicher ist sicher.

Im Wagen bullert ein kleiner Holzofen vor sich hin – ein Rückzugsort, falls doch noch einer der angesagten Schauer kommt. Andere treffen sich im gleich in einem Gartenschuppen oder in einem Gewächshaus am Feldrand.

Eins aber ist immer gleich: es muss Pferdehack sein. Allerdings weiß inzwischen keiner mehr so recht warum. „Selbst mein Vater kann das nicht mehr sagen“, so Fette. Er weiß aber, dass schon sein Großvater die Pferde, die nicht mehr so gut waren zum Rossschlachter brachte. Rund 100 Jahre, so schätzt Fette, braten die Groß Lengder am Ostermontag ihr Pferdehack.

Von einem Schlachter aus Clausthal-Zellerfeld wird das Pferdefleisch heutzutage geholt. Den ganzen Kofferraum habe er am Sonnabend voll gehabt, so Fette, und das Pferdehack im Ort verteilt. Es schmeckt, da ist sich die Truppe am alten Holzwagen einig, überhaupt nicht anders als Rinder- oder Schweinehack.

In anderen Orten im Landkreis, gebe es dieses Ostersitte nicht. Aber jeder Groß Lengder, der in einen anderen Ort ziehe, frage, ob sie das noch machen. Machen sie. Und sie haben sogar das Osterfeuer von Ostersonntag auf Ostersonnabend verlegt. Fürs Eierbacken. Schließlich wird es beim Osterfeuer oft spät und viele Männer, die in der Freiwilligen Feuerwehr sind, müssen nachts noch aufräumen.

Da fällt das Aufstehen morgens nicht leicht. Und um 8 Uhr geht es aus dem Dorf heraus los in die Wiesen. Eine gute Gelegenheit auch für „Neu-Groß-Lengder“ die Nachbarn besser kennenzulernen, bestätigt Matthias Falk. Er ist vor gut einem Jahr ins Dorf gezogen und das erste Mal dabei.

Frauen übrigens dürfen die Männer an ihrem Wagen mal besuchen. „Sie bekommen auch einen Schnaps“, sagt Fette, oder was zu Essen. Aber dann sollen sie auch wieder gehen. Das Eierbacken, das schon mal bis 8 Uhr abends dauern kann, ist eben eine Männertradition. Was die Frauen wohl auch nicht weiter stört.

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