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Wildschweine verwüsten Gärten und Sportplatz

Speele Wildschweine verwüsten Gärten und Sportplatz

„Wildschwein-Rotten wühlen in Speele das Fulda-Ufer auf“, berichtet Ortsbürgermeister Fred Kaduhr (SPD). Den Sportplatz hätten die Tiere bereits zum dritten Mal umgegraben. Sie machten Wege kaputt und verwüsteten Gärten. „Ich liege bei den Abschüssen im Schnitt“, hält Jagdpächter Wilhelm Windeknecht dagegen.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

„Seit zwei Jahren wird es immer schlimmer“, klagt Kaduhr. Autofahrer entgingen nur knapp Wildunfällen. Rotten von bis zu 20, vereinzelt sogar bis zu 40 Tieren buddelten „alles auf“. Die Tiere marschierten auf der Suche nach Futter durchs Dorf, verdreckten die Straßen, wühlten die Grünflächen auf und drängen in Gärten ein.

„Ein Lattenzaun ist für die Tiere kein Hindernis“, ergänzt Dirk Menger, der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft. Diese Gemeinschaft der Grundeigentümer im Ort hat das Jagdrecht an Windeknecht verpachtet. Wenn ein Frischling unter dem Zaun hindurch schlüpfe, so Menger, folge die Bache, egal wie robust der Zaun sei. Einige Bürger fühlten sich von den Schweinen persönlich bedroht, fürchteten, umgestoßen oder gebissen zu werden. Angst mache ihnen die Vorstellung, beim Queren der Unterführung im Ort einer Rotte zu begegnen.

Jagdpächter Windeknecht sieht dagegen keine Gefahr für Leib und Leben gegeben. Die Bürger müssten sich allerdings „sachgerecht“ verhalten, stellt er klar. Sie sollten den Schweinen aus dem Weg gehen und müssten gegebenenfalls auch mal einen Umweg akzeptieren. Auf keinen Fall sollten sie sich einem Muttertier mit Jungtieren nähern.

Mehrere Gründe nennt Windeknecht für das Anwachsen der Population. Aufgrund der milderen Winter überlebten mehr Wildscheine als früher. Bestimmungen des Tierschutzes und des Jagdrechts erschwerten es ihm, die Bestände klein zu halten. So dürfe ein Jäger zum Beispiel keine Bachen mit Frischlingen erlegen. Es sei ihm untersagt, Infrarotzielgeräte zu verwenden, um die Tiere trotz Dunkelheit zu schießen.

„Hohe Populationen verursachen zwangsläufig Schäden“, erklärt Windeknecht. Als Jagdpächter müsse er nur für Schäden außerhalb des Ortes aufkommen. Wildschäden im Feld habe es allerdings in den vergangenen 16 Jahren noch nicht gegeben. Merger von der Jagdgenossenschaft will die Missstände im Ort nicht akzeptieren. Mehr als „höflich bitten“ könne er allerdings nicht, bedauert er. Der Vertrag laufe noch bis 2023.

„Das Problem ist bekannt“, kommentiert Ulrich Lottmann, der Sprecher des Landkreises, die Verhältnisse in Speele. Jagdgenossenschaft und Pächter müssten die Angelegenheit untereinander klären. Unter Wildschweinen litten auch andere Orte im Landkreis, etwa Wieda im Südharz.

Einsatz mit Maschinenpistole

„Wildschweine finden im Wald in diesem Jahr reichlich Eicheln und Bucheckern“, berichtet Dieter Buhse, der Vorsitzende der Jägerschaft Münden, zu deren Bereich auch Staufenberg gehört. Die Tiere benötigten aber auch tierisches Eiweiß. Sie wühlten daher im Boden nach Engerlingen. Besonders reich sei die Beute auf Wiesen und in Gärten. Nahrung fänden sie auch in Komposthaufen.

„Wildschweine haben keine Scheu, in Dörfer einzudringen, weil ihnen dort keine Gefahr droht“, ergänzt Speeles Jagdpächter Wilhelm Windeknecht. Die Tiere dürften dort nicht gejagt werden.

Wenn Gefahr im Verzug ist, greift die Polizei ein. So erschoss am Sonnabend im Dorf Everloh bei Hannover ein Polizist einen Eber in einem Vorgarten mit dem Maschinengewehr. Das Tier gehörte zu einer Rotte, die in einen Verkehrsunfall verwickelt war. Ein Feuerwehrmann hatte vergeblich versucht, den Eber mit einem Betäubungsgewehr zu stoppen.

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