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Fahrgastschifffahrt droht das Aus

„Europa“ soll verkauft werden Fahrgastschifffahrt droht das Aus

Schon vor zwei Jahren hat das Ehepaar Rehbein über den Verkauf des letzten Passagierschiffes der eigenen Linie angestellt. Damals fand sich nach ihren Angaben kein Käufer. Aus Altersgründen und vor der geplanten Einführung des Tourismusbeitrags kommt das Thema nun erneut auf den Tisch.

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Quelle: sw

Hann. Münden. Die „Europa“ ist das letzte verbliebene Schiff aus dem Bestand der Rehbein-Linie Kassel, und sie ist die letzte Flotte von einst mehreren Schifffahrtsbetrieben in Hann. Münden. Als Anna-Elisabeth und Klaus-Dieter Rehbein das elterliche Unternehmen vor 15 Jahren übernahmen, blühte das Fahrgastgeschäft auf dem Wasser. Tägliche Touren führten auf Weser, Werra und Fulda von Kassel über Hann. Münden bis nach Bad Karlshafen. 

Außer Reisegruppen und Feiergesellschaften begrüßten Rehbeins, wie sie sagen, über viele Jahre auch zahlreiche Tagesausflügler aus der Region an Bord. Die Stagnation und der anschließende Rückgang der Passagierzahlen veranlasste das Ehepaar bereits 2011 zum Verkauf der „Deutschland“, ihres größten Fahrgastschiffes mit Kegelbahn. Drei Jahre später veräußerten sie das kleine Rundfahrboot „Stadt Münden“. 

Nun steht der Verkauf der „Europa“ an. Die Passagierjacht bietet Platz für 300 Gäste und ist nach Auskunft von Klaus-Dieter Rehbein ein „extremer Flachgänger“. Sie wurde speziell für den Einsatz auf der Weser gebaut. Bei der Planung und Konstruktion der „Europa“ waren die Rehbeins selbst dabei. Darum fällt ihnen der geplante Abschied umso schwerer: „Die Schifffahrt war für uns immer mehr als ein Job. Es war unsere Lebensphilosophie“, erzählt Anna-Elisabeth Rehbein. 

Doch ihr Entschluss steht fest. „Alters- und gesundheitsbedingt“ möchten sie sich in den Ruhestand verabschieden, erklärt Klaus-Dieter Rehbein. Außerdem sei die geplante Einführung des Tourismusbeitrages ein „ausschlaggebender Grund“.  Auch wenn ihnen nach eigenen Angaben noch keine genauen Zahlen vorliegen, rechnen sie mit einem vierstelligen Betrag, den sie jährlich zusätzlich an die Stadt abgeben müssten. Das sei „unangemessen“, zumal sie über Jahre „alles selbst stemmen mussten“ und „aufgrund der Finanzsituation der Stadt wenig Unterstützung bei der Pflege des Anlegergrundstücks oder der Renovierung der Fäkalienanlage“ erhielten. 

Für Hann. Münden wäre es nach Ansicht der Rehbeins „traurig“, wenn die „Europa“ an einen Interessenten verkauft würde, der den Schiffsbetrieb vor Ort einstellen würde. Aber sie lassen auch diese Option offen. Möglich wäre eine Veräußerung des „Flachgängers“ mit Großbildleinwand, Erlebnisgastronomie mit Bordküche und Schauvitrine mit Barbereich an Schifffahrtsbetreiber an der Lahn, Mosel oder Saar. Selbst auf einem See könne die Passagierjacht zum Einsatz kommen. „Ideal wäre die „Europa“ für ein Aussteiger-Ehepaar,“ meint Klaus-Dieter Rehbein, doch die Übernahme des Schiffes sei „eben nicht so einfach“.

Für die Gewährleistung des laufenden Betriebs vom Anleger in Hann. Münden aus, muss der potenzielle Käufer ein gültiges Schifferpatent und umfangreiche Streckenkenntnisse vorweisen. Einige Interessenten, sagt Klaus-Dieter Rehbein, hätten sich bereits gemeldet, allerdings sei es bislang „entweder an den notwendigen Auflagen oder an den fehlenden Finanzmitteln“ gescheitert.   sw

 

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