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Fatale Folgen einer Sekunde

Verkehrssicherheitswoche an den Berufsbildenden Schulen Münden Fatale Folgen einer Sekunde

Nicht die Vorbereitung aufs Berufsleben, sondern um Verkehrssicherheit und Unfallprävention geht es in dieser Woche in den Berufsbildenden Schulen (BBS) Münden. Bis Freitag, 2. September, sind dafür 36 Einzelveranstaltungen vorgesehen.

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Tobias Preiser (19 Jahre) und Iven Behrenshausen (18) vor einem Unfallwagen, in dem junge Menschen starben.

Quelle: Heinzel

Hann. Münden. Die Organisatoren der gemeinsamen Aktion von Verkehrswacht, Polizei und BBS hätten dabei ganz vorrangig die Schüler im Blick, die mit 18 Jahren und darüber bereits den Führerschein gemacht hätten, sagt Studiendirektor Harald Henze. Die BBS-Schüler müssten täglich bis zu 100 Kilometer zum Unterrichtsort fahren.

Die Altersgruppe von 18 bis 25 Jahren verursache in ihren ersten vier bis fünf Autofahrerjahren weitaus mehr als der Durchschnitt aller Altersgruppen, erklärte Volker Arnecke, Verkehrssicherheitsberater der Göttinger Polizei, bei der Auftaktveranstaltung am Montagvormittag. Nach verhaltenem Beginn in den ersten Monaten wollten vor allem die jungen Männer später gerne zeigen, was sie am Steuer draufhaben - allerdings ohne über ausreichende Erfahrung zu verfügen.

Was dann geschehen kann, verdeutlichte Christopher Spering den knapp 200 Schülern in der Pausenhalle mehr als drastisch. Der Unfallchirurg am Göttinger Uni-Klinikum berichtete von seinem ersten Einsatz als Notarzt, als er zu dem Unfall eines 19-Jährigen gerufen wurde, der nach einer Party gegen einen Baum gerast war. Sein VW Polo war dabei in der Mitte auseinandergerissen worden. Einer der Insassen war tot, der Fahrer lebte noch , sein linker Arm jedoch „lag 50 Meter weiter auf einem Feld“. In einer gut 18-stündigen Operation habe er noch versucht, den Arm wieder anzunähen, 24 Stunden später jedoch habe man ihn jedoch wieder abnehmen müssen. Spering ersparte seinem jungen Publikum auch nicht den teils rohen Jargon in der Unfallchirurgie, wenn wieder einmal „Matsche“ oder „Patientenreste“ eingeliefert würden.

Zuvor hatte Oliver Jitschin, Richter am Göttinger Amtsgericht, ebenso eindringlich die juristischen, menschlichen und sozialen Folgen eines Unfalls geschildert. In einer einzigen Sekunde könne ein Unfall das gesamte eigene Leben oder das anderer ruinieren oder sogar auslöschen - und das nur wegen einer Unachtsamkeit oder einer bewussten Nachlässigkeit

Verkehrssicherheitsberater Arnecke riet dringend dazu, während des Autofahrens das Mobiltelefon zu ignorieren. Telefonieren bedeute ein bis zu fünffaches Unfallrisiko, Texten oder Internet-Nutzung ein 23-faches Risiko. Das entspreche einer Alkoholisierung von 1,1 Promille und damit einer absoluten Fahruntüchtigkeit.

Bis Freitag gibt es an der BBS Münden noch Dutzende weiterer Termine zur Unfallprävention. Darunter sind Themen wie juristische Folgen, Fahren unter Medikamenteneinfluss, Alkohol und Drogen, Verkehr auf der Autobahn, Risikogrupen und vieles mehr.

PARTY gegen Unfälle

Christopher Spering ist bei der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie Sektionsleiter für den Bereich Prävention von Verletzungen. In Deutschland organisiert und betreut er das Programm „Preventing Alcohol and Risk related Trauma in Youth“ (PARTY), das seinen Ursprung in Kanada hat. In freier Übersetzung geht es dabei um die Prävention von durch Alkohol und risikoreiches Verhalten verursachte Verletzungen bei Jugendlichen.

Schulklassen einen Tag in einer Unfallklinik verbringen und dort die verschiedenen Stationen eines Schwerverletzten einschließlich Intensivstation erleben. PARTY organisiert unter anderem Besuche von Schulklassen in Unfallkliniken mit dem Ziel, das Bewusstsein der Teilnehmer zu schärfen, damit sie die Folgen eigenen Handelns besser abschätzen können. Direkt am Rettungswagen wird den Schülern gezeigt, wie die Erstversorgung und der Transport ins Krankenhaus abläuft.

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