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Premiere: „Die Großherzogin von Gerolstein“

Staatstheater Kassel Premiere: „Die Großherzogin von Gerolstein“

Es ist etwas faul im Staate Gerolstein. Das ist aber nicht Anlass zu einer Tragödie, sondern zu einer absurd komischen Operette. „Die Großherzogin von Gerolstein“ von Jacques Offenbach hatte am Sonnabend Premiere im Kasseler Opernhaus. Doch der Witz hielt sich in Grenzen.

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Luca Ghedini, Victor Rottier (Tänzer, Soldaten), Belinda Williams (Großherzogin von Gerolstein), Challenge Gumbodete, Safet Mistele (Tänzer, Soldaten)

Quelle: N. Klinger

Kassel. Der Einstieg der Inszenierung ist großartig. Vier bös verletzte Soldaten quälen sich zu den Klängen der heiteren Ouvertüre über die Bühne, stützen einander, fallen, kriechen. Um gleich drauf springlebendig zu exerzieren, Sprünge zu vollführen, als sei der blutige Beginn eine Halluzination gewesen.

Termine

Aufführungen am 5., 23. und 25. November sowie am 4., 9. und 31. Dezember im Opernhaus Kassel, Friedrichplatz 15. Kartentelefon 0561/1094-222.

Genau dies ist der Ansatz von Offenbach und seinen Librettisten Henri Meilhac und Ludovic Halévy: Sie erzählen schlimme Dinge, indem sie die Realität völlig verdrehen. Da werden Kriege nur geführt, um der Großherzogin die Langeweile zu vertreiben, da steigt Fähnrich Fritz die militärische Rangleiter in Sekundenschnelle empor bis zum General, weil sich die Landesherrin in ihn verguckt hat. Seinen ersten Sieg fährt er ein, indem er die Feinde schlicht besoffen macht.

Zugegeben: Es ist gerade bei witzigen Vorlagen nicht einfach, die Zündkraft des Sujets auf die Bühne zu übertragen. Regisseurin Adriana Altaras, die in Rossinis „Barbier“ ein komödiantisches Dauerfeuer entfacht hatte, ist diesmal nicht so trickreich. Manches wird verschenkt, manches ausgebremst, vor allem dann, wenn der Opernchor sich zum Singen nur brav aufstellt.

Mit keckem Charme

Gideon Poppe absolviert als Fritz seine Kurz-Karriere mit beweglichem, hell timbrierten Tenor ganz unterhaltsam. Belinda Williams ist eine edle Adlige, die die Stürme ihrer Leidenschaften fast durchweg unter Kontrolle hält und mit ihrem warmen, in allen Lagen ausgeglichenem Sopran zu glänzen versteht. Jaclyn Bermudez gestaltet die Rolle der Wanda mit keckem Charme und einem bemerkenswert unangestrengten, sicher geführten Sopran. Die meisten übrigen Partien sind eher Karikaturen als Charaktere (was ja nicht schlimm ist). Herausgehoben sei Marc-Olivier Oetterli als General Bumm, der wirklich komische Momente hat.

Für durchsichtigen Klang im Orchestergraben sorgt Alexander Hannemann mit Umsicht. Seine Musiker - ein Extralob den stark geforderten Blechbläsern - folgen fast immer mit Präzision. Die Begeisterung des Publikums hielt sich wie der Witz der Inszenierung in Grenzen.

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