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Mündener gründen Bürgerinitiative

Gegen Stadtwaldverkauf Mündener gründen Bürgerinitiative

Die Empörung ist groß. Mehr als 100 Bürger haben am Mittwochabend im vollbesetzten Cafe Aegidius in Hann. Münden die Bürgerinitiative Stadtwald Münden gegründet. Sie wollen den geplanten Verkauf des Walds verhindern.

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Quelle: Archiv (Symbolbild)

Hann. Münden. Ohne Bürgerbefragung sei ein Verkauf des Stadtwaldes undenkbar, meint etwa Karl-Wilhelm Lange (SPD), der langjährige Mündener Stadtdirektor. Sollte die Befragung positiv ausfallen, müsste der 2750 Hektar große Stadtwald europaweit zum Verkauf ausgeschrieben werden. Es gehe nicht an, dass der Bürgermeister mit drei, vier Investoren verhandele, die „zufällig vom Verkauf erfahren“ hätten, findet Lange.

 

Privateigentümer gingen nicht so pfleglich mit dem Wald um wie der städtische Betrieb, warnt Klaus Kornau, Förster im Ruhestand. Diese würden sich auch nicht so intensiv um die Erhaltung der Wanderwege, Hütten und Aussichtspunkte kümmern. Mögliche Investoren würden zwar die derzeit neun Mitarbeiter des Betriebs auf Bitten der Stadt übernehmen. „In ein zwei, drei Jahren werden sie sich dann von einigen aus wirtschaftlichen Gründen trennen“, vermutet er.

 

„Mit einem Verkauf ist die spätere Zerstückelung des Stadtwalds progammiert“, erwartet Wolf Georg Fehrensen, der in Hedemünden ein Sägewerk betreibt. Immer wieder zerstritten sich Erbengemeinschaften, erklärt er und fragt: „Warum trennt sich Stadt von einem Betrieb, der Überschüsse erwirtschaftet?“

 

Zu den Wortführern der Bürgerinitiative gehören auch Ratsmitglieder, darunter die Sozialdemokraten Thomas Hartmann und Joachim Atzert. Pikant: Die SPD hat im Stadtrat die Mehrheit. Sie hat dort wiederholt für jenes Haushaltskonsolidierungsprogramm gestimmt, das seit 2009 den Verkauf des Stadtwaldes vorsieht. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass sich ein privater Investor finden würde, der 28 Millionen Euro für den Kauf aufbringt“, räumt der Ratsvorsitzende Udo Bethke (SPD) offen ein. Mit der anhaltenden Niedrigzinsphase gebe es nun aber Personen, die Wald kaufen wollten, um ihr Vermögen vor der Inflation zu schützen. Nach Bethkes Einschätzung sind derzeit bis auf „ein, zwei Personen“ alle SPD-Fraktionsmitglieder gegen den Verkauf.

 

Um den Druck aufrechtzuerhalten, plant die Bürgerinitiative unterdessen Infostände, das Sammeln von Unterschriften und weitere Aktionen.

Infos zum Stadtwald

Der Stadtwald Hann. Münden ist mit 2.750 Hektar Niedersachsens zweitgrößter Kommunalwald. Neun Mitarbeiter – zwei Revierleiter, sechs Forstwirte und eine Verwaltungsangestellte – beschäftigt der städtische Betrieb. Vor ein paar Jahren waren es noch doppelt so viele. Damals machte der Wald jährliche Verluste von bis zu einer halben Million Euro. 2015 erwirtschaftete er dagegen einen Gewinn von 130.000 Euro. Davon sind allerdings noch 200.000 Euro für eine Verwaltungsumlage abzuziehen. Das Ergebnis mindern immer wieder kostspielige Sicherungsmaßnahmen an den Steilhängen entlang der Straßen und Bahngleise.

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