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Musikalische Paketzustellung

Hann. Münden Musikalische Paketzustellung

Als „singenden Paketzusteller“ kennt ihn in Hann. Münden fast jeder. Jeden Morgen hat der UPS-Zusteller Gino di Grazia eine fröhliche Melodie auf den Lippen, begrüßt seine Kunden mit einem improvisierten Vers oder einem leidenschaftlichen Song.

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Gino di Grazia ist Mündens bekanntester UPS Zusteller. Mit Gesang und einem Lächeln macht er die Paketauslieferung zu einem Erlebnis.

Quelle: r

Hann. Münden. Er sei am Fuße des Vulkans Ätna geboren, berichtet der 43-Jährige. Eigentlich war die Musik für ihn ein Hilfsmittel, um seine Ängste zu überwinden. „Wir haben in einem Hochhaus gewohnt und ich musste immer in den Keller laufen, um für meine Mutter Zwiebeln oder Kartoffeln zu holen.“ Dunkelheit, Spinnen, Geister erschreckten den damals Neunjährigen. „Wenn ich sang, war die Angst weg“. Eines Tages hörte sein Vater die Stimme aus dem Keller. Beeindruckt von der Begabung seines Sohnes, fördert er das musikalische Talent und kaufte ihm eine Gesangsanlage.

 

Fortan wurde die Musik zum festen Bestandteil im Leben des Italieners. „Ich habe den Draht zu anderen Musikern gesucht, um mich immer weiter zu entwickeln. Musik ist ein dauerndes Studium.“ Mit Profis und Amateuren habe er geprobt: „Und von jedem habe ich etwas gelernt.“ Schließlich reichten ihm gecoverte Songs nicht mehr aus und er begann, selbst Texte zu schreiben und Musik zu komponieren. Er spielte auf öffentlichen Plätzen und in Bars, besuchte die offenen Bühnen in Osnabrück und fand auf diesem Weg Musiker, die mit ihm zusammen eine Band gründeten.

„Fröhlichkeit ist wie ein Bumerang – sie kommt zurück“

„Aber ich wollte mehr. Wenn du im Leben musikalisch etwas erreichen willst, musst du geradeaus laufen.“ Es folgten Bandwechsel und Soloauftritte in Kassel und Frankfurt. Schließlich wurde er vom Produzenten der „Söhne Mannheims“ entdeckt. Er absolvierte Lehrgänge an der Popakademie, besuchte Fortbildungen und entwickelte sich an Saxophon, Percussions, Klavier, Gesang und Gitarre weiter.

 

Seine größten Vorbilder seien Roger Cicero und Xavier Naidoo, doch er selbst wollte niemals Superstar werden. „Erfolge hatte ich viele. Aber eigentlich wollte ich nur meinen Frieden mit der Musik.“ Der Leistungsdruck im Showbusiness wurde Gino di Grazia zu groß. Er stieg aus und suchte sich einen Job. „UPS annoncierte und ich rief an. Bis dahin hatte ich keine Ahnung vom Paketdienst.“ Er liebe seine Arbeit und könne die gesenkten Häupter seiner Kollegen oft nicht verstehen. Ein netter Auftritt beim Kunden, mit einem flotten Spruch auf den Lippen und einem Lächeln im Gesicht, wirke Wunder. „Fröhlichkeit ist wie ein Bumerang – sie kommt zurück.“ So lässt es sich der Angestellte trotz des täglichen Zeitdrucks nicht nehmen, ein Lied zu trällern oder eine Anekdote zum besten zu geben. „Manche Menschen sind anfangs vollkommen erstaunt, aber wenn ich wieder fahre, weiß ich, dass ich ein Stück Freude zurückgelassen habe.“ Die Menschen ein bisschen glücklicher machen – das ist Gino di Grazias Ziel - auf der Bühne oder mit einem Paket vor der Haustür.

Von Susanne Wesche

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