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Kadaverberge im Hagelturm

Museum der Arbeit in Hann. Münden Kadaverberge im Hagelturm

Mit zwei Wochen Verspätung hat das Museum der Arbeit im Hann. Mündener Hagelturm seine Ausstellungssaison mit dem alljährlichen Turmfest eröffnet. Grund für die Verspätung: ein Rasenhalmfliegen-Problem, bei dem zeitweilig der Holzboden vor lauter Fliegenkadavern nicht mehr zu sehen war.

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Saisoneröffnung im Museum der Arbeit in Hann. Münden mit Turmführer Stefan Schäfer (rechts).

Quelle: Wenzel

Hann. Münden. Im November 2015 wurde der Fliegenplage im Hagelturm mit einer Begasung zu Leibe gerückt. „Scheinbar mit gutem Erfolg“, sagt Stefan Schäfer, zweiter Vorsitzender des Arbeitergeschichtsvereins, der das Museum betreut. Schäfer ist gleichzeitig auch im NABU aktiv. „Ich habe anschließend wöchentlich bis Anfang April geschaut und Mitte April war der Turm wieder mit zehntausenden Fliegen besetzt.“ Also musste noch einmal gezielt nachbekämpft und alle Ritzen mit Druckluft gereinigt werden.

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Das Museum der Arbeit im Hagelturm hat sonnabends und sonntags von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Sonderöffnungen und Führungen für Gruppen sind auf Anfrage möglich.

Daher war auch nicht klar, wann genau das Museum öffnen konnte. „Normalerweise haben wir einen langen Vorlauf vor der Eröffnung mit Plakaten und Ankündigungen“, sagt Karin Gille-Linne, erste Vorsitzende des Arbeitergeschichtsvereins. Doch dieses Jahr sei alles sehr kurzfristig gelaufen. „Im Endeffekt wussten wir erst am Montag, dass wir jetzt am Sonnabend eröffnen konnten“ – diesmal ohne große Vorankündigung und ohne Rahmenprogramm oder Stefan Schäfer in Verkleidung. Auch wenn der passend zum Arbeitscharakter des Museums in anthrazitfarbener Schiebermütze und Arbeitsjacket kam.

Entsprechend leer sah es zeitweilig im Hof vor dem Eingang aus, auf dem es Bratwürste und Getränke zum Turmfest gab. 200 bis 300 Besucher kämen normalerweise zur Eröffnung, so Schäfer. Rund 150 Besucher waren es diesmal. Doch damit sei man sehr zufrieden, so Gille-Linne. Schließlich sei auch das Wetter nicht optimal gewesen und zudem stehe Pfingsten vor der Tür.

„Wir hoffen, dass wir dieses Jahr die ganze Saison durchhalten und geöffnet haben werden“, so Gille-Linne. „Im vergangenen Jahr haben wir aufgrund der Fliegen die letzten beiden Monate September und Oktober verloren.“ Dass die Fliegen wiederkommen, hält Stefan Schäfer für wahrscheinlich. Nicht abzuschätzen sei hingegen, ob im August, September oder Oktober noch einmal mit einer Begasung auf die Fliegenplage reagiert und der Turm geschlossen werden muss. Man bleibt jedenfalls permanent wachsam und hat derweil spezielle Lampen mit Leimfallen installiert, um es nicht so weit kommen zu lassen.

Die Rasenhalmfliege

Die Rasenhalmfliege wird zwei bis 2,5 Millimeter lang und schwärmt ab etwa April. Sie legt ihre Eier im Gras ab. Dort ernähren und entwickeln sich die Larven. Die Lebensphase als Fliege nach der Verpuppung dauert nur kurz und dient der Paarung. Je nach Witterung – ideal sind nasse, warme Sommer – kann es so fünf bis sechs Reproduktionszyklen geben.

Gegen August oder September suchen sich die Fliegen einen Überwinterungsort, der trocken und kalt sein sollte. Leerstehende Dachböden oder eben Türme sind ideal. Hat die Fliege einen Überwinterungsort gefunden, sendet sie Duftstoffe aus, die andere Fliegen anziehen. Diese bilden flächige Winterruhe-Klumpen, die immer größer werden. Der weit überwiegende Teil der Fliegen stirbt allerdings ab und fällt herunter.

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