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Schüler schreiben Biografien für Senioren

„Ein Leben im Zeitfenster“ Schüler schreiben Biografien für Senioren

Am Anfang war es nur die Idee für ein Schulprojekt. Heute, nach einem Jahr, betrachten viele der beteiligten Schüler das Leben anders. Aus dem Projekt sind generationenübergreifende Freundschaften entstanden - und ein Buch: „Ein Leben im Zeitfenster“, 20 Biografien von alten Menschen - geschrieben von Zwölftklässlern.

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Stolz präsentieren Lea Bietendorf (l.) und Fee Huschenbeth das „Zeitfenster“ mit 20 Biografien alter Menschen aus der Feder junger Schüler.

Quelle: Pförtner

Hann.Münden. Ein ganzes Leben auf gerade einmal 20 Seiten. Geburt, Kindheit, Ausbildung, Kriegsnot, die erste Liebe, Verlust und Trauer, das Leben heute im Altenheim. Schnörkellos, fast schonungslos erzählen die Männer und Frauen ab 70 Jahren, wie ihr Leben verlief und was es geprägt hat. „Die Alten wollten das alle so“, erklärt die Deutschlehrerin Sabine Sgonina. Sie wollten erzählen und es so veröffentlichen, „ohne viel Prosa“. Die Alten sind fast alle Bewohner des Mündener Seniorenheims Vanitas. Ihre Biografen sind Schüler aus dem mittlerweile 12. Jahrgang der Fachoberschule (FOS) Wirtschaft an den Berufsbildenden Schulen Hann. Münden. Ein Jahr lang haben sie sich im Deutschunterricht mit ihrer Lehrerin Sgonina und Referendarin Lara Sperling zunächst mit Biografien als Stilmittel beschäftigt. Später haben sie Kontakt zu den älteren Männern und Frauen aufgenommen, Tage lang und viele Stunden mit ihnen geredet „und oft einfach nur zugehört“, sagt Fee Huschenbeth. „Und Notizen gemacht, viele Stichworte“, ergänzt ihre Mitschülerin Lea Bietendorf. „Erst war es komisch und dann faszinierend, dass sich eine fremde Person ohne zu zögern so öffnet und auf uns einlässt“, erzählt sie von ihren Unterhaltungen mit Alfred Prade. Gespräche, die sie immer tiefer in sein Leben mit seiner geliebten Frau geführt haben, die später unter Depressionen litt und von ihm gepflegt werden musste. Gespräche, die Prade und seine Biografin so nahe gebracht hat, dass die 18-Jährige ihren „alten Mann“ heute noch besucht.

Auch für Fee ist die Beziehung durch die Biografie über ihren Projektpartner „sehr viel inniger geworden als davor“. Sie hat das Leben ihres Opas Karl-Heinz Klausch zusammengefasst und dabei Geschichten gehört, die bis dahin niemand in ihrer Familie kannte: zum Beispiel von seiner ersten großen Liebe. „Und das war nicht meine Oma“, sagt Fee lachend, „aber es war einfach so schön und normal, wie er es erzählt hat“.

In den „ Zeitfenstern“, die nur Stationen eines Lebens sein können, lassen die Schüler die Senioren in der Ich-Form erzählen. Ihre Geschichten, die ganz unterschiedliche emotionale und lebensprägende Schwerpunkte setzen, betten die Schüler geschickt in einleitende und abschließende Szenen ein, die die Erzählenden in der heutigen Zeit abholen.

Dass aus dem Schulprojekt ein gut 200 Seiten umfassendes Buch wird, sei anfangs gar nicht geplant gewesen, sagt Sgonina. Die 20 besten von 40 Biografien seien darin eingeflossen und alle Senioren seien davon begeistert gewesen. „So bleibt mein Leben auch nach mir irgendwie erhalten“, habe ihr Erzähler begeistert festgestellt, erzählt Lea. Stolz sei er auf seine Biografie und das Buch – ebenso wie die Schüler.

Zum Tag der offenen Tür an diesem Freitag haben die FOS-Schüler das Buch präsentiert. Daraus vorlesen werden sie am Donnerstag, 11. Februar, ab 19 Uhr in Raum 011/012 der BBS, Auefeld 8.

Herausgegeben wird „Ein Leben im Zeitfenster“ vom Sgonni-Verlag. Es kostet 8,90 Euro und kann unter Sgonni-Verlag@gmx.de bestellt werden.

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