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Senioren lauschen den Geschichten ihres Lebens

Schüler lesen im Mündener Vanitas-Altenheim aus dem Biografie-Projekt „Ein Leben im Zeitfenster“ Senioren lauschen den Geschichten ihres Lebens

40 Zuhörer - mucksmäuschenstill. Vorn lesen junge Leute aus dem Leben der betagten Zuhörer. Einige seufzen schwer, einige schlucken, ein paar Tränen fließen. Es sind die Biografien und Erinnerungen dieser Senioren, aufgeschrieben von diesen Schülern.

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Alfred Prade und Vorleserin Lea Bietendorf von der BBS Münden.

Quelle: Wenzel

Hann. Münden. „Ein Leben im Zeitfenster“, hieß das Projekt, das ein Jahr lang Schüler der zwölften Klasse der Mündener Berufsschule beschäftigt hat. Ein Buch ist dabei entstanden, eines mit 13 Biografien. Und Freundschaften zwischen Schülern und den von ihnen befragten alten Menschen sind entstanden.

Bereits am Freitag hatten die Schüler vor geladenen Gästen in der Schule aus dem Buch vorgelesen. Am Sonnabend dann brachten sie denen, die im Vanitas-Seniorenheim leben und mitmachten, ein Exemplar als Geschenk mit. Gerührt reagierte der 93-jährige Alfred Prade, als ihm Lea Bietendorf seine gedruckte Lebensgeschichte aushändigte.

Eine Rahmenhandlung aus dem Leben heute, Erinnerungen an Kindheit und Jugend, Schilderungen aus den prägenden Lebensphasen, das alles auf 20 Seiten. Mehr gab es nicht an Vorgaben, erzählt Deutschlehrerin Sabine Sgonina über das Projekt. 40 Biografien sammelten die Schüler ein, 36 wurden geschrieben, 20 davon als sehr gut ausgewählt, schließlich 13 von ihnen in einem Buch mit dem Titel „Ein Leben im Zeitfenster“ gedruckt.

Da schildert eine der Seniorinnen, wie sie sich als 20-Jährige am Kriegsende in Ostpreußen vor den Russen verstecken musste, wie sie fliehen, sich verbergen musste, verschleppt wurde, Unmenschliches miterleben musste, nach Sibirien gebracht werden sollte und doch gerettet wurde. Und wie nur der Thyphus sie vor Vergewaltigung rettete. Kaum genesen, musste sie sich um die ganze Familie kümmern - alle angesteckt mit Thypus.

Oder die Schilderung von Karl-Heinz Klausch - aufgeschrieben von seiner Enkelin Fee Huschenbeth. Bäcker ist er geworden, den Familienbetrieb hat er übernommen - und hatte doch noch ganz andere Chancen im Leben, die ausgeschlagen zu haben er nicht bereut, die ihn aber noch immer bewegen. Er schreibt seinen Altersgenossen aus der Seele, wenn er formuliert: „Ich denke, dass es menschlich ist, sich manchmal zu fragen: Was wäre gewesen wenn?“ Eine Antwort: Es hätte Fee nicht gegeben, die seine Lebensgeschichte aufgeschrieben hat.

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