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Spätfolgen einer Puppen-Verbrennung

Mobbing-Streit im Grünen-Ortsverband Hann. Münden Spätfolgen einer Puppen-Verbrennung

Es war nur ein Strohfeuer, aber eines mit Spätfolgen. Im Mai 2015 haben Protestler im Kampf gegen die Weser-Versalzung eine Strohpuppe verbrannt. Örtliche Grüne warfen dem SPD-Landtagsabgeordneten Ronald Schminke Teilnahme an dem "Nazi-Ritual" vor - wofür sich der Kreisvorstand später entschuldigte. Das entzweiten den Grünen-Ortsvorstand derart, dass der Streit nun vor Gericht ging.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Hann. Münden. Am Dienstag war Verhandlung: Konkret ging es um eine Unterlassungsklage. Der frühere Grünen-Ortsvorsitzende Martin Bretzler, noch immer Fraktionschef im Rat und Grüner im Kreistag, hat seinen ehemaligen Schatzmeister Hartmut Teichmann verklagt. Dieser möge beleidigende Äußerungen nicht wiederholen und den Vorwurf, er sei von Bretzler gemobbt worden, zurücknehmen.

Die Strohpuppen-Affäre, in der sich Teichmann als Schminke-Kritiker hervortat, war nur die Vorgeschichte. Bretzler macht sich heute Vorwürfe, nicht sofort eingeschritten zu sein und klargestellt zu haben, dass der Vorwurf keineswegs Grünen-Position gewesen sei. Tatsächlich hatte sich Schminke nämlich distanziert, als bei der Aktion in Hemeln plötzlich eine Puppe brannte.

Seitdem aber hing der Haussegen schief im Mündener Ortsverband. Dass die Grünen auch noch Schminkes Anwaltskosten zahlen sollten, brachte neuen Streit. In einer Mail warf Bretzler seinem Kassenwart dann vor, dieser zahle eine Anwaltsrechnung absichtlich nicht. Der Ortsverband stehe "kurz vor einer Zwangsvollstreckung" und er "schäme" sich vor den Kollegen für diese Kassenführung.

Gemeint war Teichmann, der behauptete, die Rechnung nie erhalten zu haben und die Mail des Vorsitzenden "erbärmliches Schmierentheater" nannte. Er werde vom Vorsitzenden gemobbt, beklagte er sich. Dass er diese Antwort auch an führende Politiker im Kreisverband sandte und zugleich von seinem Amt zurücktrat, betrachtet Bretzler als Schmähkritik, deren Wiederholung er dem Ex-Kollegen nun gerichtlich verbieten lassen will.

Amtsgerichtsdirektor Thomas Matusche konnte in einem Vergleichsvorschlag dem Beklagten immerhin  die Zusage abringen, die Kritik nicht mehr zu erneuern. Teichmann akzeptierte gar, ein Viertel der Prozesskosten zu tragen. Bretzler aber besteht auf ein Urteil, das am 23. Juni folgen soll. Der Jurist und Anwalt Bretzler hält die Äußerungen in der Mail für nicht zulässige Werturteile, die wegen ihrer Verbreitung im ganzen Kreisverband schwer wiegen.

Im März hatte der Streit bereits zur Auflösung des ganzen Ortsverbands-Vorstandes Münden geführt. Inzwischen wurde dieser neu gewählt. Mit im Vorstand Hartmut Teichmann. Aber die Kasse führt er nicht mehr. Das macht nun Lena Kirschner.

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