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Wolfgang Bosbach mahnt in Wiershausen mehr europäische Solidarität in Flüchtlingsfrage ein XXX

Wochenendkolumne XXX

Ein X für ein U vormachen? Ja, Sie sind auf der richtigen Spur. Diese Redewendung bezieht sich auf römische Zahlen. Das V steht bekanntermaßen für die Zahl Fünf, verlängert man die beiden Striche, kommt ein X für die Zahl Zehn heraus. Aus dem V wurde irgendwann in der Redewendung ein U.

Uwe Graells

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Und ja: Ich kann Gedanken lesen. Vor ihrem geistigen Auge steht gerade ein Betonklotz auf dem Bahnhofsvorplatz. Nennen Sie mich ruhig Copperfield oder Klok oder Berlepsch.

Keine Sorge, jetzt kommt nicht der X-te Verriss für das Denkmal für die „Göttinger Sieben“ der bekannten Künstlerin Möbus. Im Gegenteil. Göttingen als Stadt, die Wissen schafft, geht mit ihrer Kunst im öffentlichen Raum viel tiefgründiger um, als andere Städte dies jemals könnten. Wer traut sich schon, eine uralte Redewendung umzuschreiben? „Eine 0 für ein X vormachen.“ Tolle Idee, auch wenn das fehlende X wieder aufgetaucht ist.

Und dann der inszenierte Farbangriff. Statt mit Beuteln wird mit Christbaumkugeln geworfen. Welch dramatische Botschaft! Reliquien des Weihnachtsfestes gegen ein Denkmal für Widerständler. Gut, dass der Klotz so groß ist, dann treffen die Täter garantiert und beschädigen nicht andere wertvolle Mauern. Auch gut, dass kein Pferd auf dem Sockel steht, sonst fiele das Ganze noch unter Tierquälerei.

Ich rätsele aber noch über den Sinn der bei der Attacke verwendeten Farben. Rosa, Rot und Blau. Warum? Blau, kann ich mir ja noch erklären, die Farbe galt in der Kunst seit jeher als Verbindung zum Himmel, ja zum Göttlichen. Passt. Aber Rot? Ok, der Coca Cola-Truck war just am Tag des Farbangriffs in der Stadt. Das wäre aber zu banal. Und Rosa? Das wird wohl meine Denksportaufgabe über das Wochenende sein.

Ups, da kommt gerade eine Mail rein. Es ist doch tatsächlich jemand auf den Sockel geklettert. Es soll sich gar nicht um den Abdruck eines Pferdehufes handeln, der dort oben verewigt ist. Hammer. Also kein Unpaarhufer, zu denen die Pferde nun einmal gehören, sondern ein Paarhufer. Sagt zumindest mein Informant. Spannend. Sollten Sie heute Nacht jemanden mit Leiter in der Stadt sehen, wissen Sie, wer es ist. Ich muss nachschauen, ob die Info stimmt. Und nein, ich bin nicht der Nikolaus.

Ein schönes Wochenende wünscht
Uwe Graells
Und nicht vergessen: Schuhe putzen.

Den Autoren erreichen Sie unter u.graells@goettinger-tageblatt.de

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