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Anklage gegen den Northeimer Salafisten

Sascha L. Anklage gegen den Northeimer Salafisten

Rund fünf Monate nach der Festnahme des terrorverdächtigen Salafisten Sascha L. in Northeim hat die Generalstaatsanwaltschaft Celle Anklage gegen den 26-Jährigen sowie drei mutmaßliche Unterstützer erhoben.

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Quelle: dpa

Northeim/Celle/Braunschweig. Die Strafverfolgungsbehörde wirft dem arbeitslosen deutschen Staatsangehörigen vor, einen Sprengstoffanschlag gegen Polizisten oder Bundeswehrsoldaten geplant und bereits konkrete Vorbereitungen dazu getroffen zu haben. Der 26-jährige Arbeitslose soll mehrere Sprengsätze selbst hergestellt und im Januar dieses Jahres zweimal im Stadtgebiet von Northeim erfolgreich getestet haben.

Er sei fest entschlossen gewesen, per Fernzündung mit einem Sprengsatz zuvor angelockte Polizeibeamte aus 15 Metern Entfernung zu töten, sagte am Montag der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Bernd Kolkmeier.

Die Generalstaatsanwaltschaft hat den 26-Jährigen wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat sowie unerlaubten Umgangs mit explosionsgefährlichen Stoffen angeklagt. In dem Prozess, der vor der Staatsschutzkammer des Landgerichts Braunschweig stattfinden soll, müssen sich noch drei weitere Mitangeklagte wegen Beihilfe zu diesen Taten verantworten.

Der 21-jährige deutsche Staatsangehörige Wladislav S. aus Katlenburg-Lindau (Kreis Northeim) soll Sascha L. bei den „Probesprengungen“ begleitet und diese auf Video aufgezeichnet haben. Der 27-jährige afghanische Staatsangehörige Masie S. und der 28-jährige türkische Staatsangehörige Alpaslan Ü. sollen Sascha L. Geld überwiesen haben, das für den Anschlag verwendet werden sollte.

Beide waren Mitte April in Nordrhein-Westfalen festgenommen wurden. Masie S. soll sich außerdem bereit erklärt haben, die späteren Opfer an den Tatort des Sprengstoffanschlags zu locken.

Ungewöhnlich an dem Fall ist, dass sowohl der 26-jährige Sascha L. als auch der 21-jährige Wladislav S. einen rechtsextremistischen Hintergrund haben sollen.

Nach Angaben der Ermittler war der aus Berlin stammende Sascha L., der danach in Göttingen und zuletzt in Northeim wohnte, später zum Islam konvertiert. Er betrachte sich als Unterstützer der terroristischen Vereinigung „Islamistischer Staat“, wobei sich „seine jihadistische Überzeugung mit einem ausgeprägten Antisemitismus und massiven Vorbehalten gegen die Demokratien westlicher Prägung, insbesondere die USA verband“, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit.

Spätestens im Dezember 2016 habe sich der 26-Jährige alle notwendigen Materialien verschafft, um einen fernzündbaren Sprengsatz mit der hochentzündlichen Chemikalie Acetonperoxid herzustellen.

Nach Angaben der Anklagebehörde wollte er nach dem Sprengstoffanschlag zwei Videodateien veröffentlichen, die ihn bei der Ableistung des Treueschwurs auf den Anführer der Terrororganisation „Islamischer Staat“, Abu Bakr al-Baghdadi, zeigen. Bevor er seinen Plan in die Tat umsetzen konnte, nahm ihn die Polizei am 21. Februar in seiner Wohnung in Northeim fest. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Zwei Monate später nahm ein Sondereinsatzkommando der Polizei den 21-jährigen Wladislav S.in Lindau fest. Dieser betrachte sich nicht als Islamist, sondern als Anhänger des Nationalsozialismus, sagte Behördensprecher Bernd Kolkmeier. Der 21-Jährige habe sich aber Sascha L. persönlich verpflichtet gefühlt, weil dieser ihn über einen längeren Zeitraum in seiner Wohnung aufgenommen habe. Ebenso wie Sascha L. habe auch Wladislav S. eine ausgeprägte antisemitische Haltung.

Beide betrachteten alle deutschen oder US-amerikanischen Soldaten und Polizisten als „Judendiener“. Aus diesem Grund habe er Sascha L. in seinem Entschluss bestärkt, einen islamistisch motivierten Anschlag gegen Soldaten oder Polizeibeamte zu begehen. Wladislav S. ist als einziger der vier Angeklagten inzwischen wieder auf freiem Fuß. Da er zur Tatzeit noch Heranwachsender war, habe das Landgericht Braunschweig eine weitere Untersuchungshaft als nicht verhältnismäßig angesehen.

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