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Turm kommt ans Tageslicht

Ausgrabungen an der Wüstungkirche Turm kommt ans Tageslicht

Die Ausgrabung der Ruine der Wüstungskirche südlich von Asche ist erheblich vorangekommen. Mittlerweile ist auch der untere Teil des Turms der mittelalterlichen Kirche gut sichtbar.

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Ehrenamtliche Helferinnen bei den Grabungsarbeiten an der Wüstung bei Asche: Sandra Schubutz (links) und Lea Hauff.

Quelle: Harald Wenzel

Asche. Damit wird der Grundriss der Kirche mit Turm, Kirchenschiff und Chor einschließlich einzelner architektonischer Elemente in seiner Gesamtheit erkennbar. Freigelegt hat das ehrenamtliche Ausgrabungsteam unter anderem zwei Eingänge - eine Priesterpforte zum Chor und den Haupteingang im Turm mit Zugang zum Kirchenschiff.

Bis zu zwei Meter über der früheren Erdoberfläche sind die Mauern der wahrscheinlich Ende des 12. Jahrhunderts errichteten Kirche erhalten. Grabungs-Initiator Frank Wiese und Archäologe Frank Wedekind von der Göttinger Grabungsfirma „Streichardt und Wedekind Archäologie“ glauben, dass die bisherigen Funde belegen, dass es mehrere Nutzungsphasen der Kirche mit Turm, Kirchenschiff und Chor gegeben hat. Der Chor, nach romanischem Brauch an der Ostseite gelegen, sei wahrscheinlich später angebaut worden. Die Fuge zwischen den beiden Gebäudeteilen ist auch heute noch gut erkennbar.

In und neben der Kirche wurden außerdem Metallteile aus Eisen gesichert - darunter viele Nägel, aber auch zwei Armbrustbolzen. Besondere Bedeutung hat ein Rittersporn - Indiz dafür, dass sich dort nicht nur einfaches Volk aufgehalten hat.

Wiese und Wedekind vermuten, dass südlich der Kirchumfriedung ein kleines Dorf gelegen hat - darauf deuten außer Keramikscherbenfunde auch ebene Flächen hin, auf denen Häuser gestanden haben könnten. Außerdem wurden etwa 20 Meter südlich der Kirche ein menschlicher Backenzahn und ein Fußknochen gefunden, wahrscheinlich Relikte eines Friedhofs.

Ob es sich bei der Anlage um Teile der 1449 urkundlich erwähnten Wüstung Jürgensborg handelt, ist jedoch weiterhin nicht gesichert. Wann die Kirche aufgegeben wurde, ist ebenfalls nicht ganz klar. In einer Liste aus dem Jahr 1519 mit den Einnahmen der einzelnen Kirchen der Umgebung ist die Ascher Kirche jedenfalls nicht mehr aufgeführt - ein Indiz dafür, dass sie damals bereits vor längerer Zeit aufgegeben worden war.

Die vielen Steine im Inneren der Kirchenruine, sagen Wiese und Wedekind, deuteten nicht auf Verfall, sondern auf Abriss. Die „besseren“ Steine, meint Wiese, seien wohl von Bewohnern des Doppeldorfs Asche/Fehrlingsen für dortige Hausbauten verwendet worden. Doch diesen Bauteilen nachzuforschen sei sinnlos: Beide Dörfer wurden im 30-jährigen Krieg (1618 - 1648) komplett niedergebrannt, übrig blieb praktisch nichts.

Am Sonnabend hat sich an der Wüstungskirche Besuch angesagt: Eine Gruppe von Ortsheimatpflegern will sich die Ausgrabungen ansehen.

Weitere Bilder und ein Video von den Grabungen an der Wüstungskirche bei Asche gibt es unter gturl.de/grabung

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